Diese Woche dürfen wir die Band 20Tokens bei uns im Interview begrüßen – Metal Musik aus der Ukraine! Im Interview haben die Jungs etwas mit uns über ihren Werdegang als Band gequatscht und welche Einflüsse sie musikalisch prägen.
Im Gespräch mit 20Tokens:
1. Stellt euch bitte als Band vor (Name, Instrument, Heimatort, Bandname etc.)
Wir sind 20TOKENS und kommen aus der Ukraine, aber jetzt leben wir in Berlin – außer unserem Gitarristen, der in Wien lebt. Valeri Chubenko ist unser Sänger, Rostyslav Kucherenko rockt die Gitarre, Vitalii Fedchenko spielt Bass, und Daxidas Ahapavas zaubert Rhythmen aus dem Schlagzeug.
2. Wie habt ihr euch als Band gefunden und wie ist der Bandname entstanden?
Ganz am Anfang war es ein Solo-Emo-Rap-Projekt von Valeri, doch mit der Zeit hat ihn Emo-Rap gelangweilt, und er hat angefangen, mit Daxidas Rockmusik zu schreiben. Aus seinem damaligen Künstlernamen ist schließlich der Name unserer Band geworden.
3. Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben?
Unsere Musik würden wir als energiegeladen, druckvoll und intensiv beschreiben – mit Momenten, die ebenso brachial wie herzzerreißend sein können. Wir hoffen, dass wir eine neue Welle des alternativen Metals hervorbringen. Manchmal scherzt unser Sänger Valeri, dass unser Genre eigentlich „Emo-Slavia Metal“ heißen sollte.
4. Welche Einflüsse prägen eure Musik? Gibt es Bands/Künstler, die euch besonders inspiriert haben?
Unsere Texte sind stark von realen Geschichten aus dem Leben beeinflusst.
In Bezug auf die Musik lassen wir uns nicht nur vom modernen Metal inspirieren, sondern nehmen auch Elemente aus Post-Punk, Emo-Rap, Witch-House und – überraschenderweise – sogar aus slawischer Volksmusik mit.
Besonders hervorheben können wir Künstler wie Lil Peep, Sleep Token und Bring Me the Horizon. Was uns jedoch dazu motiviert, es weltweit zu schaffen, sind slawische Künstler, die auf dem globalen Markt Erfolg erzielt haben.
5. Was ist eure musikalische Botschaft, was ist euch beim Songwriting wichtig?
Unsere Songs haben sich schon immer mit den Problemen des Lebens beschäftigt. Musik war für uns immer eine Möglichkeit, uns selbst zu entdecken und das auszudrücken, was man aufgrund seiner Introvertiertheit nicht immer den engsten Menschen anvertrauen kann.
Deshalb möchten wir mit unserer Musik eine Message überbringen: Menschen, die verschiedene Schwierigkeiten durchleben, sind nicht allein – und genau das wollen wir sie fühlen lassen.
In unseren Liedern gibt es keine kitschigen Figuren. Nur pure Emotionen.
6. Wie würdet ihr eure Entwicklung als Band bisher beschreiben?
Uns interessiert es einfach nicht, immer das Gleiche zu machen. Obwohl wir verstehen, dass einige Songs in einem bestimmten Genre größere Chancen haben, kommerziell erfolgreich zu werden, versuchen wir stets zu experimentieren, vielseitig zu bleiben und uns weiterzuentwickeln.
Kommerzieller Erfolg war für uns nie der wichtigste Aspekt.
7. Hattet ihr von Anfang an eine klare Vision für eure Musik und eure Zielgruppe oder hat sich das mit der Zeit entwickelt?
Nein, wir hatten überhaupt keine. Wie wir früher schon mal erzählt haben, hat unser Sänger zuerst mit Emo-Rap angefangen, und erst später ist all das in eine Band übergegangen. Nur die einzige Sache, die immer unveränderlich geblieben ist, ist diese emotionale Essenz.
8. Wie war das Gefühl, eure Songs das erste Mal live vor Publikum zu präsentieren? Wie war das Feedback?
Ohne Zweifel war es anfangs ein bisschen aufregend, aber trotzdem waren wir uns alle sicher, dass diese Leute zu unserem Konzert gekommen sind, um unsere Songs, die sie bereits stundenlang gehört hatten, live zu erleben.
Und das hat uns nicht nur mit Energie aufgeladen, sondern auch geholfen, diese Anspannung hinter uns zu lassen.
Was das Feedback nach unseren ersten Konzerten angeht, sagen wir Folgendes: Es war genau das, was uns eine enorme Motivation gegeben hat, mehr Musik zu schreiben und noch mehr Konzerte zu spielen. Und genau das ist es, wofür wir leben.
9. Welche Ziele habt ihr euch als Band für die nächsten Jahre gesetzt?
Unser Hauptziel bleibt nach wie vor unverändert: neue Musik zu komponieren, uns ständig weiterzuentwickeln und etwas Neues zu erschaffen.
Wenn es um unsere konkreten Ziele in der nahen Zukunft geht, würden wir wirklich gerne auf einem Festival spielen.
Selbstverständlich planen wir auch eine Tour dieses Jahr und möchten versuchen, dieses Mal in noch mehr Städten aufzutreten.
Außerdem haben wir uns das Ziel gesetzt, jedes Jahr – nicht unbedingt ein Album, aber zumindest eine Song-Sammlung – zu veröffentlichen.
10. Als Newcomer-Band in einer so großen Musikszene – was sind eure größten Herausforderungen und wie geht ihr damit um?
Definitiv die modernen Wege der Promotion!
Wir sind in erster Linie Musiker und lieben es, uns voll und ganz auf unsere Musik zu konzentrieren. Doch in der heutigen Zeit kommen wir nicht darum herum, uns auch mit Marketingstrategien wie TikTok, Reels und YouTube Shorts auseinanderzusetzen.
Natürlich verstehen wir die Bedeutung sozialer Medien, aber um ehrlich zu sein – wir sind keine perfekten Schauspieler, und unsere wahre Leidenschaft liegt nach wie vor in der Musik. Vielleicht könnten wir viel mehr Songs schreiben, wenn wir nicht so viel Zeit in Social Media investieren müssten.
11. Gibt es eine besondere Geschichte, die ihr als Band erlebt habt und teilen möchtet?
Für uns zählt die Geschichte unserer Band sicherlich nicht zu den schönsten.
Schließlich sind wir eine Band aus der Ukraine, und jeder weiß, dass Russland die Ukraine angegriffen hat.
In diesen schweren, düsteren und gnadenlosen Zeiten sind wir umso dankbarer, dass Deutschland uns so herzlich aufgenommen hat.
Unsere englischsprachige Musik hat die deutschen Fans wirklich begeistert, und wir haben dieses Land sehr ins Herz geschlossen.
12. Habt ihr vor dem ersten Auftritt als Band ein Ritual oder eine Routine, um die Nervosität zu überwinden?
Zwar haben wir uns in Berlin neu formiert und praktisch eine neue englischsprachige Band ins Leben gerufen, doch unsere slawischen Wurzeln machen sich dennoch bemerkbar. Und manchmal hilft uns dabei ein Bierchen – am liebsten ein helles bayerisches. Aber das Wichtigste ist, es nicht zu übertreiben!
13. Welche Platte/Album könntet ihr selbst immer wieder hören, ohne müde zu werden?
Oh, es gibt unzählige, aber wenn wir nur die wichtigsten nennen sollen:
Bullet For My Valentine – Poison,
Slipknot – Vol. 3: (The Subliminal Verses),
Bring Me the Horizon – There Is a Hell Believe Me I’ve Seen It. There Is a Heaven Let’s Keep It a Secret,
und HIM – Razorblade Romance.
14. Zum Abschluss noch die Frage: Was macht euch als Band aus und warum sollte man euch unbedingt live erleben?
Wenn wir eine Sache nennen müssten, die uns wirklich ausmacht, dann wäre es wohl die besondere Verbindung zu unserem Publikum.
Unsere Fans sagen oft, dass unsere Konzerte sich anfühlen, als wären sie einfach bei guten Freunden zu Besuch – und genau dieses Gefühl tragen wir auch in uns.
Das lässt uns auf der Bühne komplett ausrasten und unsere Energie ohne Kompromisse weitergeben. Und natürlich liegt es auch daran, dass wir nebenbei ganz gut unsere Instrumente beherrschen!
Das Interview führte Melina Thomaßen für Rock-Journal.de
Bild: Pressebild 20Tokens
