Rock Journal
Konzertberichte

Konzertbericht: BEATSTEAKS – Oberhausen – Turbinenhalle

Manchmal merkt man erst mitten in einem Song, dass man genau am richtigen Ort ist. So ging es mir am Dienstagabend in der ausverkauften Turbinenhalle in Oberhausen, als die Beatsteaks mit „Detractors“ die Bühne stürmten und den Laden von der ersten Sekunde an in Brand setzten.

24/7 Diva Heaven am 10.6.2025, Turbinenhalle 1, Oberhausen

Aber von vorne: Als Support standen 24/7 Diva Heaven auf dem Programm – eine Band, die mir bis dahin kein Begriff war. Leider änderte sich daran auch nach dem Auftritt wenig. Handwerklich okay, aber irgendwie blieb nichts hängen. Vielleicht lag es an der Vorfreude auf das, was noch kommen sollte.

Denn was die Beatsteaks danach ablieferten, war nichts weniger als ein energiegeladener Ritt durch über zwei Jahrzehnte Bandgeschichte – kraftvoll, tight und durchzogen von purer Spielfreude. Ich hatte das Glück, während der ersten drei Songs im Fotograben zu stehen. Und dort, direkt vor der Bühne, spürte man sie sofort: diese rohe Energie, die Körperlichkeit des Sounds, das Wechselspiel zwischen Band und Publikum. Es war laut, schweißtreibend und verdammt intensiv.

Nach dem Fotograben zog ich mich etwas weiter nach hinten zurück, um das Ganze aus einer anderen Perspektive zu erleben. Die Turbinenhalle war rappelvoll, aber die Stimmung blieb auch weiter hinten elektrisierend. Menschen sprangen, tanzten, sangen mit – ein Kollektiv aus Glück, Lautstärke und Bewegung. Besonders als „Gentleman of the Year“ angestimmt wurde, war der Jubel förmlich greifbar. Es war einer dieser Momente, in denen die Zeit kurz stillzustehen scheint – das kollektive Hochreißen der Arme, das ekstatische Mitsingen. Gänsehaut.

Beatsteaks am 10.6.2025, Turbinenhalle 1, Oberhausen

Die Setlist war ein gut ausgewogener Mix aus neuen Songs und altbekannten Krachern. „E-G-O“, „Make a Wish“ und „Jane Became Insane“ kamen mit einer Wucht, als wäre die Band gerade erst aus dem Proberaum in die Halle gespült worden. Besonders stark auch das Cover von „Relax“ – mutig, verspielt und irgendwie passend zum Gesamtton des Abends.

„Let Me In“ war dann der krönende Abschluss. Ich hatte schon fast vergessen, wie sehr mich dieser Song berühren kann – und live, mit tausenden Stimmen im Rücken, war er einfach übermächtig.

Was mir besonders auffiel: Im Vergleich zum Beatsteaks-Konzert, das ich 2015 in Frankfurt erlebt habe, ist die Band heute noch eingespielter, noch direkter in ihrer Ansprache. Damals war’s chaotisch-charmant, heute ist es eher fokussiert-chaotisch – aber im besten Sinne. Man merkt, dass sie genau wissen, was sie tun, und trotzdem nichts von ihrer unberechenbaren Live-Magie eingebüßt haben.

Was bleibt? Ein pochendes Herz, ein summender Schädel und das wohlig-müde Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Die Beatsteaks haben an diesem Abend mehr als nur ein Konzert gespielt. Sie haben ein Erlebnis geschaffen. Und ich war mittendrin.

Text und Fotos: Marc Junge (majun.photo)