Rock Journal
Interviews

Im Interview: Das Reload Festival – Wir wollen das beste Festival machen, das wir auf die Beine stellen können.

Am zweiten Tag des Reload Festivals hatten wir die Ehre mit den Machern und Planern des Reload Festivals ein ausführliches Interview zu führen. Wir sprachen mit André und Mike

RJ: Erstmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für uns genommen habt. Jetzt feiert ihr das 20-jährige Jubiläum. Wie stolz seid ihr darauf?

Reload: Sehr stolz. Muss man tatsächlich sagen, wir sind da sehr stolz drauf, weil – als ich 2006… Es gab davor schon drei Indoor-Veranstaltungen mit jeweils 300–500 Leuten, und 2006 sind wir ja dann Open Air gegangen. Das ist ja quasi dann auch die Geburtsstunde des Open Airs oder des Festivals. Natürlich ist man stolz, dass das Ding jetzt 20 Jahre durchgehalten hat und wir uns so stabil auf dem Markt etabliert haben. Das ist heutzutage gar nicht mehr selbstverständlich und wir sehen ja auch viele Festivals, die Probleme haben, sich am Markt zu halten, sich überhaupt zu etablieren oder aufzugeben. Und dass wir da immer noch eine Rolle spielen – und auch eine gute Rolle aus unserer Sicht – ist natürlich eine großartige Sache.

Und da sind wir auch sehr demütig, wir wissen, dass es nicht selbstverständlich ist. Du hast es ja gerade angesprochen, bis 2006 war es ein Indoor-Festival.

RJ: Wie kam der Umstieg auf Open Air oder was waren die Gründe?

Reload: Naja, das war halt eine Kneipe mit Saal, da hat das stattgefunden, und wir hatten damals zu der Zeit in Twistringen, wo es vorher war, ein schönes Open-Air-Gelände. Da war vorher schon ein Festival, das aber auch aufgegeben hat. Und das war halt eine super schöne Location und man hatte halt Bock, ein schönes Open-Air-Gelände auch zu befüllen. Das war halt – so wie immer – so eine Art sportlicher Gedanke: „Lass uns das mal probieren.“
Das ist bis heute so. Wir probieren immer wieder neue Dinge und da war es auch so: „Lass uns mal ein Open Air machen, lass uns mal ein Festival machen.“

Es war ja so, der Grund war ja, dass ich mit vielen Bands unterwegs war in Deutschland, und es war so ein gegenseitiges Einladen: „Du spielst bei mir und wir spielen bei euch.“ Aber da hat der Ort gar nicht so viele Spielstätten zugelassen, und dann musste ich irgendwie gucken, dass ich die alle auf ein Wochenende konzentriere. Und somit war halt dann die Geburtsstunde des Festivals.

RJ: Das Reload Festival ist ja gegenüber Wacken, Rock im Park und Co. mit 18.000, 19.000 Zuschauern kleiner. Was ist das besondere Feeling?

Reload: Genau das. Das Familiäre. Wir haben viel mehr Platz, als wir eigentlich brauchen. Unser Infield ist, wie du siehst, ziemlich breit. Das heißt: Du kannst, wenn der Headliner gerade angefangen hat, es noch bis in die erste Reihe schaffen. Ohne große Zeitverzögerung, ohne dass du noch ewig anstehen musst. Und wenn du weg willst, geht das auch schnell. Und das ist eine Sache, die hat kaum ein Festival.

Du siehst auch für die Größe des Festivals hier sehr attraktive Acts. Das ist natürlich auch unter anderem möglich, weil wir so viele ehrenamtliche Helfer haben, die dafür nichts bekommen außer einer Grillparty und einem Dankeschön. Wir feiern uns ja alle gegenseitig, das ist ja ein tolles Miteinander. Aber die ermöglichen uns ja auch, für dieses relativ kleine Fest hier sehr tolle Acts herzuholen, weil die Kostenstruktur bei uns eine andere ist als vielleicht bei bekannteren Festivals aus dem Genre.

Gleichzeitig können wir einen Eintrittspreis halten, der verhältnismäßig günstig ist. Das ist halt auch eine Sache – für das Preis-Leistungs-Verhältnis ist das schon ein ziemlich gutes Gefühl. Auf jeden Fall.

RJ: Könntet ihr noch wachsen, zuschauermäßig, vom Gelände her?

Reload: Ja, könnten wir. Es muss aber immer im Verhältnis stehen und gesund sein. Wenn wir uns verschlucken – siehe jetzt Anreise, die ja nicht so gut gelaufen ist – ist es schwierig, dass man dann sofort sagt: „Wir möchten aber wachsen.“ Das würde der Fan auch nicht verstehen, was ich wiederum auch verstehe. Aber ja, wenn es so kommt, dass wir wachsen und wir uns mit dem Wachstum sicher fühlen und sagen: „Ja, das kriegen wir noch hin, weil wir nachgesteuert haben, weil wir noch Ressourcen haben“, dann würde ich mich da nicht gegen wehren.

Wobei man sagen muss, es geht jetzt nicht sofort um 10.000 mehr, sondern wir reden dann über vielleicht 1.000, vielleicht auch nur 500 oder 1.500. Je nachdem, wie wir es verkraften können. Keiner würde auf die Idee kommen zu sagen: „Jetzt machen wir einfach mal 5.000 mehr drauf“, weil dann fallen wir gegebenenfalls auseinander in unserer Produktion. Und das will niemand.

RJ: Das Anreisechaos hat man gut mitbekommen. Da habt ihr euch ja auch entschuldigt, auch wenn ihr dafür verhältnismäßig wenig konntet, wenn gefühlt alle auf einmal anreisen.

Reload: Ja, es ist halt tatsächlich so. Da habe ich ja gesagt: Die Achse aus dem Norden ist unglücklich zusammengebrochen. Zusammengebrochen insofern, dass wir Ausweichflächen oder Wege aufgemacht haben, wo wir die Leute puffern und auch von anderen befahrenen Straßen für die Anwohner runtergeholt haben. Dann hat es aber nicht geklappt, dass wir in einem gleichen Verhältnis die Leute da wieder rausgeholt haben.
Deswegen sind sie da dann auch zum Stehen gekommen. Wir haben da einfach mit der Menge nicht gerechnet. Die Infrastruktur hat hier nicht besonders viel mehr zugelassen.
Und irgendwann hast du einen Punkt erreicht, wo dann das Kind halt in den Brunnen gefallen ist. Und dann kriegst du es ganz schwer wieder raus. Und leider waren wir da.

RJ: Wie geht ihr intern mit der Kritik um, die auf euch eingeprasselt ist?

Reload: Wir stellen uns der Kritik. Wir gucken, was wir da besser machen können, und werden die Zuschauer auch darüber informieren. In dem Moment kannst du dich nur entschuldigen. Und wir waren dann auch da, wirklich auch selbst auf die Straßen rauf, und haben geguckt, wo wir was machen können. An ein, zwei Stellen konnten wir es dann beschleunigen, aber das reißt es halt nicht mehr rum.

Dann kannst du dich nur entschuldigen, und alles andere ist ein Thema für ab nächster Woche. Wie wir es besser machen können, können wir erst nächste Woche sagen, weil wir im Grunde zwar die Nordachse kennen, aber viel mehr wissen wir auch nicht. Hätten wir das Problem erkannt, hätten wir es direkt lösen können, aber es ging nicht mehr.

Das heißt, wir müssen im großen Stil gucken: Wo kannst du es besser machen? Wir haben dann auch vor allem geguckt, dass die nachfolgenden Gewerke nicht auch ein Problem werden. Also in dem Moment, wo unsere Anreise zusammenbricht, weil zu viele kommen, mache ich mir Gedanken: Kriegen wir es jetzt an der Bändchenausgabe hin oder staut es sich dann da auch?

Also in dem Moment hast du schon die Folgeprobleme. Die konnten wir vermeiden. Da sieht natürlich keiner, dass es da kein Problem mehr gab, aber wir können stolz darauf sein, dass wir zumindest die Kettenreaktion vermieden haben, dass es noch beschissener wurde für die Leute an dem Tag.

RJ: Wie lange dauert die Planung für ein Festival?

Reload: Anderthalb Jahre.

Du siehst ja, wir haben ja schon Bands veröffentlicht, und die Planungen sind ja schon nicht erst seit gestern so. Du kannst grob sagen, dass es vielleicht sogar auch mal ein paar mehr Monate als anderthalb sind, aber wir denken ja jetzt sogar schon teilweise in einigen Teilen über 2027 nach.

Und du hast natürlich Themen, die du dauernd hast, wo du vor zehn Jahren schon dachtest, das hätte ich gerne mal. Aber du weißt genau, das ist eine Frage: Kann ich es mir bis dahin leisten? Ist es überhaupt sinnvoll? Da hat jeder im Team auch seine eigene To-Do-Liste, die er gerne mal irgendwann erreichen möchte. Mit dringenden Sachen, aber auch mit schönen Sachen, die aber nicht so dringend sind.

RJ: Was sind so die größten Herausforderungen bei einer Festival-Organisation?

Reload: Oh, das ist vielschichtig. Manche Dinge sind total gut eingespielt. Da brauchen wir uns so gesehen nicht mehr um Verbesserungen kümmern, sondern nur noch gucken, dass wir unseren Standard erhalten. Andere Dinge sind so, dass man sagt, da müsste man nochmal nachstellen und vielleicht nochmal gucken, ob man eine Fläche mehr bekommt oder vielleicht sogar nochmal ändert, weil er vielleicht auch an seine Grenzen gekommen ist.

Das stellt sich dann während der Vorbereitung und auch während des Festivals heraus. Da kann man jetzt nicht einen besonderen Teil hervorheben. Wir intern haben natürlich eine To-Do-Liste, wo man sagt: Da schrauben wir nach.

Aber auch wenn man weiß, dass man an dem Punkt noch etwas verbessern müsste, ist es nicht damit sofort schon getan. Weil dann muss man wirklich in die Umsetzung gehen. Und wenn du keine gute Alternative hast, die dann auch besser ist, ist es vielleicht auch so, dass man sagt: Okay, da müssen wir uns vielleicht für diesen Moment auf dem Level halten und erst dann gucken, wenn wir auch eine bessere Alternative haben.

RJ: Inwieweit spielt da die Zusammenarbeit mit der Stadt Sulingen und den anderen lokalen Partnern eine Rolle?

Reload: Eine große Rolle. Weil ohne die, die das hier auch mit möglich machen und auch mittragen – die Stadt und die Behörden hier vor Ort – die spielen ja eine sehr gewichtige Rolle. Und uns ist es sehr wichtig, dass wir das miteinander machen, denn sonst würde es auch gar nicht gut funktionieren. Man kann so eine Veranstaltung nicht im Groll oder mit Unstimmigkeiten durchführen. Das geht nicht.

RJ: Gibt es denn zwischendurch mal Konflikte?

Reload: Kaum. Es bringt auch nichts, wenn man sich gegenseitig anschreit oder Steine in den Weg legt. Dann bricht das ganze Ding zusammen. Also nimm mal die Anreise.
Es gibt durchaus Kommunen oder auch Polizeibehörden, die in anderen Regionen Deutschlands da voll auf den Veranstalter draufhauen würden in dem Moment. Das hilft nicht. Die sehen das Problem, die kümmern sich darum, tun, was sie können. Und wir unterstützen, wenn sie uns brauchen. Das bringt nichts, da reinzuhauen, weil dann wird es nicht besser.

Den Status haben wir uns erarbeitet, weil alles, was wir hier machen, Hand und Fuß hat. Wir sind immer offen – auf beiden Seiten.

Wir sind im stetigen Austausch. Die kommen natürlich auch und sagen: „Du, uns ist aufgefallen, dass man das und das besser machen könnte“ oder „Vielleicht guckt doch mal in die Ecke“ oder „Könnt ihr uns unterstützen, dass ihr von Veranstalterseite uns auch nochmal entgegenkommt?“ Dann tun wir das. Wenn wir das aber so finden, dass es vielleicht nicht unbedingt sinnvoll ist, dann diskutieren wir das auch. Dass es irgendwie nicht zu einem Ergebnis kommt. Man kann sich auch gerne mal streiten, wenn es am Ende konstruktiv ist. Streit ist ja erstmal per se nichts Schlechtes. Gab es aber noch nie.
Letztendlich sind sie ja auch mit stolz auf das, was wir hier gemeinsam auf die Beine stellen.

RJ: Wie viele Menschen arbeiten hier?

Reload: Insgesamt sind es 1200.

RJ: Was sind da die logistisch größten Herausforderungen?

Reload: Die alle unter einen Hut zu bekommen. Natürlich ist die Verpflegung ein Thema. Jetzt bei dem Wetter muss Wasser in rauen Mengen nachgeordert werden.
Wir haben ja auch viele festivalerfahrene Leute, die das halt können. Und dann haben wir hier aber auch viele Ehrenamtler, die das einmal im Jahr machen. Und die zusammenzuführen, dass das halt irgendwann funktioniert – das ist die Herausforderung. Da gibt es oft Geruckel in den ersten Tagen. Und das merkt man dann, wenn auch Zeitdruck dazukommt, wie gut es dann wirklich funktioniert. Aber die Herausforderung ist halt schon da, dass diese Gewerke alle miteinander funktionieren.

Ich würde sogar sagen, dass es mittlerweile so ist, dass die sich auch gegenseitig unterstützen, wenn es noch gar nicht deren Baustein ist. Wenn ein Gewerk abschmiert, weil irgendwelche Stahlplatten nicht gekommen sind oder zu spät, und die würden es niemals zeitig schaffen, dann kommt eine andere Crew und sagt: „Komm, wir packen eben mit an.“

Da hätten wir zum Beispiel an der Bühne eine große Verzögerung. Dann haben wir noch Ersatzleute gehabt, die bis vor kurzem noch gar nichts davon wussten. Die haben dann da Doppelschichten gearbeitet, damit die Bühne fertig wird. Da wären viele gescheitert. Wir haben die motivierten Ehrenamtler, die dann einfach sagen: „Okay, wir machen es eben.“ Denen kannst du gar nicht genug dankbar sein für so eine Leistung.

RJ: Wie plant ihr denn für eventuelle Notfälle, wie extreme Wetterlagen, so wie gestern das Gewitter?

Reload: Wenn du eine Unwetterwarnung hast, dann gibt es da festgelegte Pläne, dass du bis zur Räumung gehst – mit Durchsagen usw. Da hat man dann diese Gewitterzelle ja im Blick. Die hat sich auf einmal aufgebaut, in Richtung Minden, ist dann hier hängen geblieben, zwischen Minden und Nienburg, ist dann aber weggezogen.
Es war nie zu einem Zeitpunkt hier in Gefahr. Das haben wir schon beobachtet.

RJ: Welche Kriterien sind bei der Auswahl der Bands am wichtigsten?

Reload: Sie sollten auf jeden Fall ihre Instrumente beherrschen. Nein, also es muss passen. Bei uns bucht ja ein Mitgesellschafter, der Calvin.

Und es gibt so eine Formel: So und so viel von der Richtung und so und so viel von der Richtung, und dann passt man das halt an. Wie man erkennen kann, haben wir unsere Schublade gefunden, haben hier und da auch Ausreißer, aber dann so lustige Dinger, wo man sagt: Okay, da ist doch eine gewisse Verwandtschaft da. Nächstes Jahr – die Vengaboys sind sicherlich ein großer Ausreißer. Aber wir glauben, dass die auf dem Slot, wo sie dann spielen werden, auch eine Bereicherung fürs Festival sein können.

Und es ist lustig. Es geht um Spaß. Und da kann man doch einfach mal was machen. Also wer kennt die Vengaboys nicht? Du kennst mindestens fünf Songs. Warum? Weil es internationale Platin-Singles sind. Das ist ja keine kleine Band. Die haben im Eurodance ein ganzes Genre geprägt. Und dann kannst du es einfach mal machen, du kannst einfach mitsingen. Das ist einfach lustig.

Wir versuchen das jetzt einfach mal. Warum auch nicht? Weil du siehst – so wie Korn auch letztes Jahr oder auch in unserer ganzen Historie – da waren immer wieder Bands dabei, wo man denkt: „Wow!“ Und hier denkt man: „Das ist schon gut.“ Aber es sind auch viele Perlen dabei, wo man halt denkt: „Geil, haben sie gut ausgebuddelt, passt zum Fest.“

RJ: Gibt es denn Bands, die ihr unbedingt hier haben wollt, aber noch nicht bekommen habt?

Reload: Ja, Slipknot! Aber mal ernsthaft: Wir müssen gucken, ob sie bezahlbar sind. Passen sie ins Line-up? Müsste man für die Gage vielleicht auf andere Dinge verzichten? Wollen wir das? Würden wir das wollen? Und diese Superbands – die sind natürlich für uns unerreichbar, auch finanziell gar nicht zu stemmen.

Aber dafür, wie gesagt, für die Größe sind wir ja sehr zufrieden. Und es gibt immer eine Band, wo man denkt: „Geil, die könnte ich mir nochmal gut bei uns vorstellen.“

Ich muss aber auch nochmal sagen: Die müssen dann in dem Moment frei sein. Also das sind Welttourneen, die die planen. Die planen teilweise drei Jahre vorher.

Es ist nicht so, dass man die Bands wie reife Früchte vom Baum pflückt, sondern die Band muss verfügbar sein, die muss halt auch in dem Monat da sein, da muss der Gebietsschutz passen, die Gage muss passen – ganz viele Umstände müssen passen.

RJ: Arbeitet ihr logistisch mit anderen Festivals zusammen? Zum Beispiel, das Summer Breeze ist ja parallel.

Reload: Natürlich sind wir mit denen vernetzt. Das sind Kollegen. Die machen halt ein anderes Festival. Das ist keine Konkurrenz in dem Sinne, weil – erstens sind sie viel größer und zweitens sind sie sehr weit weg. Genauso sprechen wir mit dem Dynamo oder dem Wacken.

Auch bei den Bookings für die größeren Bands arbeiten wir zusammen. Ohne die großen Festivals würden wir die nicht kriegen.

Wir sprechen uns auch schon ab: „Habt ihr Interesse an der Band?“ – „Habt ihr nicht?“ Also man weiß ja ungefähr, wer so unterwegs ist.

RJ: Wie geht ihr denn mit kurzfristigen Absagen oder Line-up-Änderungen um?

Reload: Haben wir ja auch gehabt. Wenn wir Glück haben, ist jemand anderes verfügbar und dann buchen wir das schnell nach. Wenn das nicht so ist, müssen wir halt gucken, wie wir damit umgehen. Aber in der Regel haben wir – als 2013 Motörhead kurzfristig abgesagt haben – sogar innerhalb von 24 Stunden noch Airbourne nachgebucht.

Im Grunde wird es dann für Calvin, das ist der Kollege, der immer wieder das Booking macht, einmal kurz richtig stressig. Und wir haben manchmal dann Pech, weil die T-Shirts schon bestellt sind. Das ist dann halt schade.

Das ist kein finanzieller Schaden, aber du denkst halt: „Okay, scheiße, wäre das jetzt mal drei Wochen vorher passiert, hätten wir nicht tausende T-Shirts falsch bedruckt.“ Auch wieder eine Kettenreaktion. Ist es immer.

RJ: Wie wichtig ist euch die Community und die Nähe zu den Festivalbesuchern?

Reload: Sehr wichtig. Ohne die wären wir gar nicht hier. Dann gäbe es das Festival nicht.

Ohne Besucher, die dafür Eintritt zahlen, die hier feiern, die hier Spaß haben wollen und die dann nach Hause fahren und sagen: „Geil, das ist mein Festival, da will ich wieder hin“ – ohne die wären wir hier nicht. Dann gäbe es das Fest nicht.

Das ist das, worüber wir kommunizieren. Wenn André (Geschäftsführer) Lust hat, sich hinzusetzen und zu sagen: „Leute, tut mir leid, wir haben reingeschissen bei der Anreise“ – das macht ja auch keinen Spaß. Du ärgerst dich eh, dass es nicht geklappt hat, und dann musst du dich auch noch vor die Kamera setzen und das sagen. Aber du willst die Leute auch abholen und sagen: Es tut uns wirklich leid.

Also das ist jetzt nichts, wo wir denken: „Passiert halt mal, Pech gehabt, die kaufen eh wieder ein Ticket.“ Nee, da denken wir gar nicht so. Wir denken: „Scheiße.“

Es liegt uns schon sehr am Herzen. Also wenn Fans vorne an der Bändchenausgabe mit irgendwelchen Problemchen ankommen oder jemand mal sein Bändchen verliert, dem geben wir auch schon mal ein neues, wenn er es verloren hat. Das können wir alles überprüfen. Wir wollen, dass die Leute eine geile Zeit haben.

RJ: Wie stark beeinflusst das Feedback der Besucher das Festival?

Reload: Sei es jetzt logistisch auf dem Infield oder auf dem Campingplatz – wir hören uns alles an und wir lesen uns auch alles durch.

Dann filtern wir: Macht es für uns Sinn? Ist es wirklich konstruktive Kritik, oder sagt da nur jemand, dass das Dixi-Klo vollgeschissen ist? Klar, da müssen wir ja auch gucken, dass wir das leer bekommen, aber wir für uns haben natürlich auch einen anderen Blick darauf. Ich als Besucher würde vielleicht woanders auch sagen: „Das ist doof.“ Aber ein Organisator einer anderen Veranstaltung würde mir vielleicht sagen: „Das kriege ich hier nicht anders in den Griff.“ Aber wir hören uns alles an, wir gucken uns alles an und bewerten für uns: Können wir es besser machen? Sollten wir es besser machen? Oder ist das ein Einzelfall? Das bewerten wir dann, und demnach reagieren wir.

Das ist ja auch eine Frage der Häufigkeit. Wir kriegen auch von unseren verschiedenen Teamleitern dann angetragen: „Okay, das ist dieses Jahr bei uns extrem häufig vorgekommen.“ Dann ist es für uns auch ein direktes Zeichen: Okay, da müssen wir jetzt sofort drauf gucken.

Oder es ist eine Sache, bei 17.500–18.000 Besucher:innen kannst du es nicht allen recht machen. Das funktioniert auch nicht. Du kannst es probieren, aber du verlierst dich irgendwann im Detail, und dann wird es für die anderen doppelt scheiße. Es kann ja auch sein, dass du es einem Besucher recht machst, aber 50 andere dafür unrecht behandelst. Deswegen muss man abwägen, genau.

Also diese Besucherumfrage, die André dieses Jahr gemacht hat, die hat uns wirklich sehr geholfen bei Entscheidungen. Auch bei uns gibt es ja nur ein Ticket mit allem Drum und Dran, weil wir gesagt haben, wir wollen nicht, dass Leute sich durch 16 Ticketkategorien wühlen müssen, um uns besuchen zu können. Viele finden das gut, andere vielleicht doof, weil sie sagen: „Ich hätte gern 18 Ticketkategorien.“

RJ: Wo seht ihr das Reload in 5 oder in 10 Jahren?

Reload: Immer noch hier. Ausverkauft wäre schön. Also ich würde ungern jetzt sagen, wir wollen noch zu einer gewissen Besucherzahl.

Klar haben wir Ziele im Kopf, aber Mikes Ziele könnten zum Beispiel auch andere sein als meine. Aber am Ende des Tages ist es dann doch wieder gleich: Wir wollen das beste Festival machen, das wir auf die Beine stellen können.

Wir wollen ein wertiges Programm und wir wollen unsere Besucher zufriedenstellen. Und das ist das Ziel. Und das würde ich jetzt nicht an irgendwelchen Zahlen festmachen wollen – dass man sagt, man will bei 20.000 oder 25.000 Besuchern sein. Sondern wir wollen zufrieden mit dem Fest sein. Und das bedeutet auch, dass der Besucher zufrieden ist. Das ist das Ziel.

Das Interview führte Marcel für rock-journal.de