Neben den eigentlichen Festivalveranstaltungen sind auch zahlreiche Institutionen in die Abläufe eingebunden – darunter selbstverständlich auch die Polizei. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Thomas Gissing, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, ein Interview geführt.
RJ: Heute ist Samstag, zwei Tage Festival sind vorbei. Wie fällt das Fazit aus Polizeisicht aus?
Polizei: Sehr ruhig. Wir hatten festivaltypisch ein paar Delikte: den einen oder anderen Diebstahl, zwei Körperverletzungen – bei 18.000 Festivalbesuchern ist das verdammt wenig. Außerdem gab es ein paar Leergutdiebstähle und, aufgrund der Hitze, einige hilflose Personen. Alkoholbedingt mussten wir noch ein paar Leute zu ihren Campingplätzen begleiten. Alles in allem war es sehr friedlich.
RJ: Das klingt nach einem Top-Fazit.
Polizei: Ja, die Stimmung untereinander ist wirklich gut. Wegen der Hitze gestern hätte man denken können, dass es etwas angespannter wird. Aber auch da ist nichts Gravierendes passiert. Es ist einfach ein tolles, freundliches Miteinander.
RJ: Wie und wann bereitet sich die Polizei auf so ein Festival vor?
Polizei: Wie heißt es so schön: „Nach dem Festival ist vor dem Festival.“ Das heißt, wir knüpfen schon wieder neue Kontakte und haben bestimmte Dinge fürs nächste Jahr auf dem Zettel. Direkt nach dem Festival wird auch mit dem Veranstalter gesprochen – manches wird geändert oder angepasst, anderes behalten wir bei, wenn es gut funktioniert hat.
Personell haben wir ein Konzept, das wir schon im letzten Jahr gefahren sind und auch dieses Jahr wieder. Das Ergebnis zeigt, dass wir damit gut aufgestellt sind. Wir würden das fürs nächste Jahr genauso übernehmen.
RJ: Sie haben gerade die Kommunikation mit dem Veranstalter angesprochen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Security, Feuerwehr und Sanitätern – vor, während und nach dem Festival?
Polizei: Da gibt es ständigen Kontakt. Mit der Feuerwehr oder dem DRK im Landkreis arbeiten wir sowieso eng zusammen, da wir auch andere Veranstaltungen wie den Brokser Markt in der kommenden Woche gemeinsam planen.
In der Praxis gibt es ungefähr einmal im Monat ein Treffen, bei dem verschiedene Dinge besprochen werden. Je näher das Festival rückt, desto häufiger finden die Abstimmungen statt – manchmal im Abstand von wenigen Tagen oder auch per Videokonferenz.
RJ: Was sind die Hauptaufgaben der Polizei auf so einem Festival?
Polizei: Wir fangen morgens mit wenigen Kollegen an, im Laufe des Tages wächst die Zahl dann an. Die Hauptverantwortung liegt bei der Security des Festivals. Wir sorgen natürlich ebenfalls für Sicherheit, sind aber in der Hierarchie übergeordnet.
Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Sicherheitsdienst und sind zusätzlich mit Streifen unterwegs – im Infield genauso wie auf den Campingplätzen, oft mit Fahrrad oder zu Fuß. Präsenz ist wichtig. Gestern etwa haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen: Besucher haben uns gesagt, dass sie es großartig finden, dass wir hier sind und dafür sorgen, dass sie ein schönes Festival haben.
RJ: Ganz ehrlich, sowas hört man als Polizist selten, oder?
Polizei: Im Alltag eher selten. Auf Veranstaltungen wie Stadtfesten oder hier beim Festival kommt das schon öfter vor, dass Familien oder Besucher sagen: „Toll, dass Sie da sind.“ Das tut natürlich gut.
Auf anderen Veranstaltungen, wie nächste Woche beim Brokser Markt, sind wir personell viel stärker vertreten – da passiert das weniger.
RJ: Was sind die häufigsten Vorfälle auf so einem Festival? Alkohol?
Polizei: Ja, Alkohol spielt die größte Rolle – weniger durch Aggression, sondern weil manche Leute so viel trinken, dass sie hilflos werden. Dazu kommen kleinere Diebstähle und vereinzelt Körperverletzungen.
RJ: Sie sagten eben, dass morgens weniger los ist und das Personal erst später aufgestockt wird. Wie werden die Einsatzkräfte auf dem Gelände verteilt, und wer entscheidet das?
Polizei: Dafür gibt es einen Einsatzleiter. Er hat das Sagen und schaut, wo gerade Bedarf besteht. Zum Beispiel: „Ihr macht eine Streife über das Campgelände, ihr nehmt den Buggy und fahrt außenrum, ihr geht Richtung Vorplatz und Infield.“ So wird vermieden, dass alle gleichzeitig am selben Ort sind.
RJ: Gibt es Kollegen, die sich freiwillig für das Festivalwochenende melden?
Polizei: Alle (lacht). Im Vorfeld gibt es eine Liste für Früh-, Spät- und Nachtdienste. Die ist innerhalb weniger Tage voll, weil die Kollegen die besondere Stimmung hier schätzen. Selbst wer mit der Musik nichts anfangen kann, meldet sich freiwillig.
RJ: Gibt es Unterschiede in der Einsatzstrategie zwischen einem mehrtägigen Metal-Festival mit Camping und zum Beispiel dem Brokser Markt?
Polizei: Ja, auf dem Festival setzen wir auf Präsenz und schreiten nur ein, wenn nötig. Bei Veranstaltungen, die stärker vom Alkoholkonsum geprägt sind, geht es vor allem darum, massiv Präsenz zu zeigen und jede Eskalation im Keim zu ersticken.
Da stehen dann zum Beispiel in einem großen Festzelt fünf Kollegen in voller Montur (außer Helm). Wenn es zu einer Schlägerei kommt, gehen sofort beide Teams hinein und machen Tabula rasa, damit es nicht weiter eskaliert.
Hier beim Festival ist das ganz anders – viel entspannter.
RJ: Wie oft waren Sie schon beim Reload-Festival?
Polizei: Seit dem ersten Festival hier vor Ort – also 17 Jahre. Vorher war es ja in Twistringen, aber seit es hier stattfindet, bin ich von Anfang an dabei.
RJ: Abseits der Arbeit – wie gefällt Ihnen das Festival persönlich?
Polizei: Mega! Das macht Spaß. Ich mag auch die eine oder andere Band. Insgesamt finde ich es einfach klasse.
RJ: Haben Sie Zeit, sich Bands anzusehen?
Polizei: Ja, als Pressesprecher kann ich das eher. Aber die Bands, die ich sehen möchte, spielen oft spätabends. Wenn ich seit 10 Uhr morgens im Einsatz bin, ist mein Akku um 19 Uhr meist leer.
RJ: Letzte Frage: Wenn ein Kollege sagt, er möchte eine bestimmte Band sehen – funktioniert das?
Polizei: Ja, solange sich die Kollegen absprechen. Wenn einer sagt: „Ich will um 21 Uhr eine Band sehen“, dann wird getauscht, und die Truppe im Infield übernimmt.
Das Interview führte Marcel für rock-journal.de
