Ein Abend voller präziser Chaos-Kunst
01. Dezember 2025 – Schwedenpunk trifft Rheinland-Feierlust
Schon beim Betreten des Palladiums lag ein spürbarer Sog in der Luft. Man merkte sofort: Das Publikum war nicht gekommen, um vorsichtig warm zu werden – es war schon vor dem ersten Gitarrenanschlag in Feierlaune. Die Halle vibrierte, dicht gefüllt, erwartungsfroh. Und als die fünf Schweden schließlich auf die Bühne stürmten, ging ein Raunen durch den Raum, das nahtlos in Bewegung überging.
Ein Auftakt ohne Umwege
Mit „Enough Is Enough“ eröffneten The Hives den Abend direkt mit jener Mischung aus Präzision und kontrolliertem Chaos, für die sie weltweit geliebt werden. Die Band wirkte von Sekunde eins hellwach, fast angriffslustig – und der Sound war bemerkenswert sauber. Die Gitarren knackten messerscharf durch den Raum, das Schlagzeug saß stoisch und trocken im Mix, während Pelle Almqvist sofort bewies, warum er zu den charismatischsten Frontleuten im Rock’n’Roll zählt.
Die Bühne als Spielplatz – und Pelle mittendrin
Einer der prägenden Eindrücke des Abends: Almqvist suchte konsequent die Nähe zum Publikum. Mehrmals ging er die Treppe hinunter, die von der Bühne in den Fotograben führte – ein stilvoller kleiner Steg, der zur Rampe seiner Ansagen und Eskapaden wurde. Dort unten gestikulierte er, grinste, dirigierte das Publikum wie ein hyperaktiver Zeremonienmeister. Man spürte förmlich, wie sehr er dieses direkte Zusammenspiel liebte und wie willig die Menge ihm folgte.
Licht in Schwarz-Weiß und punktuelle Farbtupfer
Das Lichtdesign blieb überwiegend in klaren, weißen Spots gehalten – dezent, fast minimalistisch, aber perfekt passend zur zwingenden Ästhetik der Band. Nur vereinzelte farbige Strahlen tauchten die Bühne in kurzzeitige Kontraste. Diese Zurückhaltung wirkte überraschend stimmig: Sie ließ der Performance Platz und unterstrich die kantige Klarheit der Songs, besonders bei Klassikern wie „Walk Idiot Walk“ und „Main Offender“.
Setlist zwischen Nostalgie und neuem Selbstbewusstsein
Die Setlist war ein kleines Statement – eine geschickte Reise durch die Bandgeschichte, die immer wieder von prägnanten neueren Songs durchbrochen wurde. Besonders kräftig zündeten die aktuellen Stücke wie „Bogus Operandi“ oder „Countdown to Shutdown“, die sich mühelos neben den frühen Hymnen behaupteten.
Einige Momente stachen hervor:
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„Hate to Say I Told You So“ löste das erste richtig kollektive Beben aus – der Chor des gesamten Saals schob sich bis in die hintersten Reihen.
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„Come On!“ wirkte wie ein kurzes Aufflackern purer Punk-Verdichtung.
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Und natürlich „Tick Tick Boom“, bei dem Almqvist erneut in den Graben sprang und den Refrain beinahe als gemeinsame Beschwörung ins Publikum schleuderte.
Zugabe mit Signatur
Das Encore-Trio – „Legalize Living“, „Bigger Hole to Fill“ und das finale „The Hives Forever Forever The Hives“– fühlte sich wie ein selbstbewusstes Schlusskapitel an. Hier zeigten die Schweden, dass sie nicht nur von ihrem Ruf leben, sondern weiterhin mit voller Präsenz und offensiver Spielfreude auftreten.
Fazit
Ein rundes, kraftvolles Konzert, das kaum Wünsche offenließ. The Hives zeigten im Palladium, warum sie seit Jahren zu den verlässlichsten Live-Bands ihres Genres zählen: präzise, ruppig, witzig und stets nah am Publikum. Der klare Sound und das reduzierte Licht ließen den Songs Raum, während die Crowd von Anfang an im richtigen Modus war. Unterm Strich: Ein starkes Konzert, das noch lange nachhallt.
Text & Fotos: Marc Junge (majun.photo)
