Rock Journal
Konzertberichte

Konzertbericht: Three Days Grace in Düsseldorf – Ein Abend, der unter die Haut ging

Mitsubishi Electric Halle, 03. Dezember 2025 – mit Bad Flowers als Vorband

Einleitung – Erwartung, Licht, erste Eindrücke

Als ich am frühen Abend die Mitsubishi Electric Halle betrete, liegt schon eine gewisse Vorfreude in der Luft. Für mich selbst war es ein Abend, auf den ich seit Jahren zusteuerte – schließlich begleitet mich Three Days Grace seit ihrem Debütalbum aus dem Jahr 2001. Dass ich zunächst als Fotograf in den Fotograben durfte, machte den Auftakt noch intensiver: die unmittelbare Nähe, die Scheinwerfer, die gespannte Ruhe vor dem Sturm.

Doch bevor das kanadische Quartett die Bühne betrat, gehörte der Raum erst einmal Bad Flowers. Ein 50-minütiger Auftritt, der sich als erstaunlich guter Startschuss erwies.


Die Vorband – Bad Flowers als stimmungsstarker Türöffner

Bad Flowers machten vom ersten Ton an klar, dass sie als Support keineswegs im Schatten stehen wollten. Der Sänger suchte immer wieder den direkten Kontakt, verschwand mehrfach im Publikum und zog die Leute förmlich mit sich. Die Halle – noch nicht ganz gefüllt, aber deutlich wach – ging schon zu Beginn gut mit. Ein ordentlicher, sympathischer Warm-up-Slot, der Lust auf mehr machte.


Three Days Grace – Ein Einstieg mit Wucht

Um 21:15 Uhr fiel dann endlich der Vorhang. Drei Songs lang fotografierte ich aus wenigen Metern Entfernung – und allein dieser Einstieg hatte genug Kraft, um die Halle umzupflügen. „Dominate“, „Animal I Have Become“, „So Called Life“: ein Trio, das ohne Umwege klarstellte, wohin die Reise an diesem Abend geht.

Als ich anschließend vom ersten Wellenbrecher aus weiterzuschauen beginne, öffnet sich die Bühne zu ihrer ganzen Größe: links und rechts der Drumriser stehen zwei LED-Wände, die visuell mächtig unterstützen, ohne überladen zu wirken. Der Sound ist erstaunlich präzise, klar und warm – einer dieser seltenen Abende, an denen man merkt, dass die Tontechnik wirklich auf den Punkt arbeitet. Auch das Licht sitzt: als Fotograf hätte ich mir kaum bessere Bedingungen wünschen können.


Die Setlist – Höhepunkte und Überraschungen

Three Days Grace spielten ein straffes, abwechslungsreiches Programm, das die gesamte Bandbreite ihres Katalogs abdeckte:

Dominate – Animal I Have Become – So Called Life – Break – Home – The Mountain – Mayday – Pain – Kill Me Fast – I Hate Everything About You – Time of Dying – Apologies – Creep (Radiohead-Cover, solo akustisch) – Don’t Wanna Go Home Tonight (mit Cale Gontier an der Akustikgitarre) – I Am Machine – The Good Life – Painkiller – Never Too Late – Riot

Der erste wirkliche Höhepunkt des Abends kam für mich mit „The Mountain“. Dieser Song trägt live eine ungeheure Wucht, und man merkt, wie sehr er der Band am Herzen liegt – ein Stück, das den Saal aufschreckt und gleichzeitig bündelt.

Ein Moment, der die Halle dann endgültig vereinte, war „I Hate Everything About You“. Kaum setzten die ersten Akkorde ein, sang die gesamte Mitsubishi Electric Halle mit. Dieser kollektive Sog hatte etwas Besonderes – einer dieser Augenblicke, an die man sich auch Monate später noch erinnert.

Auch der akustische Teil des Abends stach heraus: Adams Solo-Interpretation von Radioheads „Creep“ schaffte eine intime Ruhe, bevor „Don’t Wanna Go Home Tonight“ mit Cale Gontier an der Akustikgitarre eine warme, fast familiäre Stimmung erzeugte. Ein Kontrastprogramm, das in der harten Grundenergie des Sets wunderbar funktionierte.


Finale – Ein Drei-Song-Endspurt

Gegen Ende zündete die Band dann noch einmal eine letzte Stufe. „Painkiller“, „Never Too Late“ und schließlich „Riot“ – ein Dreierpack, der den Höhepunkt des gesamten Abends bildete. Die Stimmung schoss spürbar nach oben, Hände überall, Stimmen, die sich in den Refrains verloren. Ein Abschluss, der nicht nur laut, sondern auch mitreißend war.

Nach 90 Minuten war Schluss – ein Ende, das für meinen Geschmack fast zu früh kam. Ich hätte ohne Zögern noch eine halbe Stunde dranhängen können.


Fazit – Ein Jahres-Highlight mit Nachhall

Three Days Grace lieferten in Düsseldorf ein Konzert, das sich für mich ohne Frage zu den Highlights meines Musikjahres zählt. Eine starke Setlist, ein nahezu perfekter Sound, stimmiges Licht und eine Band, die sichtbar Lust hatte zu spielen. Dazu ein Publikum, das von Anfang an dabei war und spätestens beim Finale geschlossen explodierte.

Ein rundes Konzert, das lange nachhallt – und eines jener seltenen Abende, an denen man merkt, warum man diese Musik seit über zwei Jahrzehnten begleitet.

Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)