Rock Journal
Konzertberichte

Konzertbericht: Böhse Onkelz in Köln – Ein Wiedersehen nach 35 Jahren

Lanxess Arena, 4. Dezember 2025

Einleitung – Zurück in einer anderen Zeit

Für mich war dieser Abend mehr als ein Konzerttermin. Mein letzter Onkelz-Gig lag unglaubliche 35 Jahre zurück – 1990, eine völlig andere Ära, eine andere Band, ein anderes Publikum. Als die Lichter in der Lanxess Arena herunterfuhren und das erste Dröhnen aus den Boxen kam, war sofort klar: Hier beginnt kein nostalgischer Abend, sondern ein modernes, druckvolles Onkelz-Statement vor einer bis oben gefüllten Arena. Das Publikum stand dicht an dicht, und schon vor dem ersten Ton waberte diese typische Erwartung in der Luft – das Gefühl, dass hier gleich etwas Großes losbricht.

Der Beginn: Laut, direkt, kompromisslos

Als „Hier sind die Onkelz“ das Set eröffnete, schlug der ganze Innenraum um. Die Menge sang vom ersten Moment an mit – nicht einfach laut, sondern brachial. Während eines der frühen Songs blendeten die LED-Screens links und rechts kurz einen Dezibelmesser ein, der beeindruckende 105,8 dB anzeigte. Dieser Moment wirkte fast wie ein augenzwinkernder Kommentar der Band: „Ja, wir hören euch – und ihr seid verdammt laut.“

Die Bühne: Reduktion trifft moderne Wucht

Die Bühne selbst zeigte eine klare, kantige Ästhetik. Zentrum der Inszenierung waren die zehn großen Lichtpanels, die während des Abends ständig ihre Position wechselten – mal senkten sie sich tief herab und erzeugten eine drückende, fast industrielle Atmosphäre, mal wurden sie weit ausgefahren und öffneten den Raum, als würde die Bühne förmlich aufatmen.
Dazu die LED-Screens links und rechts, die neben Visuals eben auch diesen kurzen Dezibel-Moment zeigten – ein modernes Arena-Element, das zur Dynamik des Abends beitrug.

Die Lichtregie arbeitete stark mit Weißtönen, kontrastreichen Farben und klaren Silhouetten. Wenig Spielerei, dafür viel Kraft und Präzision – die Optik wirkte immer wie ein Kommentar zur Musik: direkt, unverschnörkelt, aber sehr bewusst gestaltet.

Sound: Druckvoll und sauber – mit einem kleinen Haker

Klanglich präsentierten sich die Onkelz überraschend klar. Der Mix war perfekt abgemischt: druckvoller Bass, sauber platzierte Gitarren, die Vocals präsent, ohne zu übersteuern.
Nur einmal, für einen kurzen Moment, setzten die Frontboxen aus. Ein technisches Stolpern, das die Crew jedoch in Sekunden behob – kaum genug Zeit, um im Publikum Unruhe auszulösen. Danach lief alles wieder wie zuvor: stabil, kraftvoll, professionell.

Publikum: Alte Schule, neue Generation – und ein lauter Chor

Die Halle war ein einziger Chor. Besonders zwischen den Songs machten sich die Fans bemerkbar: Die klassischen „So ein Tag, so wunderschön wie heute“-Gesänge rollten wellenartig durch die Arena, oft lauter als die PA selbst.
Bei den härteren Songs entstanden große Circle Pits, teilweise mehrere gleichzeitig – ein schönes Bild aus alten Zeiten, aber getragen von einer neuen, jüngeren Crowd, die ebenso textsicher war wie die älteren Reihen.

Und dann gab es Momente, in denen das Publikum selbst zum Bühnenbild wurde:
Zu „Nichts ist für die Ewigkeit“ flammten Bengalos auf, rot und intensiv. Kurz wirkte die Arena wie ein einziges loderndes Herz – gefährlich, roh, aber auch typisch Onkelz.

Setlist: Eine Reise zwischen Hymnen und Härte

Die Setlist spannte einen Bogen durch alle Phasen der Bandgeschichte.
Von frühen Stücken wie „Kneipenterroristen“, über die Klassiker „Nur die Besten sterben jung“, bis hin zu reflektierten Hymnen wie „Ein langer Weg“.
Im Zugabenblock kamen schließlich die ganz großen Stücke, die jede Onkelz-Nacht abschließen wie Kapitel eines dicken Buches:

  • „Wir ham’ noch lange nicht genug“

  • „Auf gute Freunde“

  • „Mexico“

  • „Erinnerungen“, das mich nach 35 Jahren besonders traf

Persönlicher Moment – Die Begegnung mit der Vergangenheit

Als „Erinnerungen“ erklang, stand ich für einen Moment wieder im Jahr 1990, zwischen verschwitzten T-Shirts, rauen Stimmen und einer ganz anderen Welt. Doch diesmal stand ich in einer modernen Arena, mit einer Lichtshow, die durchdachter war als alles, was ich damals kannte, und einer Band, die trotz aller Jahre erstaunlich präsent wirkte. Dieses Gefühl – alt und neu gleichzeitig – trug den Abend für mich wie ein roter Faden.

Fazit: Ein kraftvoller Abend, der Geschichte und Gegenwart zusammenführte

Die Onkelz lieferten in Köln eine Show, die gleichzeitig roh und präzise war. Ein Konzert, das an alte Zeiten erinnerte, ohne darin stecken zu bleiben. Die Mischung aus starker Setlist, durchdachtem Lichtdesign, sauberem Sound und einem Publikum, das die Arena beinahe selbst bespielt hat, machte diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis.

Ein starker Abend mit Momenten, die nachhallen – und für mich ein Wiedersehen, das den langen Abstand mehr als wettgemacht hat.

Text: Marc Junge (majun.photo) Fotos: Marcel Rotzoll