Der Dezemberabend im F-Haus Jena begann mit einer wachsenden Spannung, die schon beim Einlass spürbar war. Der Saal füllte sich schnell, schwarze Bandshirts im Blickfeld wohin man sah – ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Besucher nur auf den Moment warteten, wenn Callejon die Bühne betreten würden. Doch bevor es soweit war, legten zwei starke Supportbands ein beeindruckendes Fundament für den Abend.
Pentastone – Alternative mit Tiefgang
Den Auftakt machte Pentastone, eine fünfköpfige Alternative-Band aus dem Raum Darmstadt. Die Gruppe zeigte sich – wie schon seit 2023 – mit frischem Sound, moderner Optik und einer klaren Identität: kraftvolle, dynamische Riffs gepaart mit emotionalen Melodien. Inhaltlich blieb sich die Band treu und rückte erneut das Thema Mental Health Awareness in den Mittelpunkt.
Pentastone spielten sich schnell in die Herzen des Publikums – ehrlich, ungefiltert und mit einer bemerkenswerten Bühnenpräsenz, die man einer Opener-Band nicht immer zuschreibt.
Rising Insane – Bremen holt das Publikum ab
Als zweite Band betraten Rising Insane die Bühne – Metalcore/Post-Hardcore aus Bremen, kraftvoll und atmosphärisch. Die Band brauchte nur wenige Augenblicke, um die Energie im Saal nach oben zu treiben. Besonders ihre Coversongs, für die sie online bereits große Aufmerksamkeit gewonnen haben, sorgten für erste lautstarke Mitsing-Momente.
Mit zunehmender Intensität bewegte sich das Publikum immer wilder: Circle Pits, Mitschwingen, schließlich eine erste Wall of Death, die den Raum in zwei brodelnde Hälften teilte, bevor beide Seiten mit voller Wucht wieder zusammenprallten. Rising Insane lieferten eine Show, die klar machte: Diese Bühne ist für sie kein kleiner Zwischenschritt – sie gehören genau hierhin.
Callejon – 20 Jahre Wucht, Kunst & Identifikation
Dann senkte sich das Licht, und sofort war klar: Jetzt sind sie da. Callejon. Die Menge explodierte – nicht nur akustisch, sondern auch optisch: Ein Großteil des Publikums trug Bandmerch, als würde man gemeinsam ein kollektives Bekenntnis ablegen.
Callejon, seit mittlerweile 20 Jahren eine prägende Größe der deutschen Metalcore-Szene, haben Generationen von Musiker*innen beeinflusst. Nahezu 1000 gespielte Konzerte, endlose Festivalmomente und für viele Fans ein emotionales Zuhause: Ventil für Trauer, ein dunkles Licht in schweren Zeiten und der bekannte „Sinn im Unsinn“, der ihre Songs oft so treffend beschreibt.
Frontmann BastiBasti, Sänger, Gründer und kreativer Kopf, prägt das Gesamtbild der Band wie kaum ein anderer. Seit Tag eins gestaltet er sämtliche Artworks und ist für den Großteil der Musikvideos verantwortlich – immer mit dem Anspruch, dass jedes Album ein Gesamtkunstwerk sein muss.
Musikalisch schlugen Callejon an diesem Abend eine Schneise durch das F-Haus. Harte Breakdowns, eingängige Refrains, Albentraumaesthetik und die lyrische Düsternis, für die sie bekannt sind. Die Fans sangen nahezu jede Zeile mit, viele mit geschlossenen Augen – als würden sie die Worte nicht nur hören, sondern fühlen.
Der Bandname „Callejon“ – spanisch für enge Gasse oder Sackgasse – beschreibt treffend die Themen ihrer Musik: Enge, Hoffnungslosigkeit, metaphorische Gassen des Lebens. Doch gleichzeitig steckt darin auch die Kraft, diese Enge mit wütender Energie zu durchbrechen – etwas, das an diesem Abend deutlich zu spüren war.
Man merkte, dass die Menge sich identifizieren konnte: mit den Texten, der Dunkelheit, der Wut, und der leisen Hoffnung, die in den Songs verborgen liegt.
Immer wieder setzte sich die Energie im Raum in Bewegung um – erneute Circle Pits, kollektives Springen, ausgelassene Ekstase bis in die letzte Reihe.
Fazit
Der Abend im F-Haus Jena war mehr als nur ein Konzert: Er war ein emotionales Erlebnis, getragen von drei starken Bands und einem Publikum, das jede Sekunde aufsaugte.
Pentastone berührten, Rising Insane rissen mit – und Callejon zeigten einmal mehr, warum sie seit zwei Jahrzehnten eines der bedeutendsten, kompromisslosesten und künstlerisch stärksten Projekte im deutschsprachigen Metal sind.
Bericht & Fotos: Wendy Ranke
