Rock Journal
Konzertberichte

Konzertbericht: CURTAIN CALL 2025 in dritter Ausführung – Essen – Zeche Carl

Zum nunmehr dritten Mal in Folge fand kurz vor Jahresende in der Zeche Carl in Essen das Curtain Call Festival statt und das mit einem wirklich starken Line-up. Wie gewohnt standen The Narrator, dieses Mal als Headliner auf der Bühne, unterstützt von Vicious Rain, Letters Sent Home, Senna sowie der Hamburger Band Half Me.

Den Abend eröffneten die Schweizer von Vicious Rain, die mit ihren wuchtigen, tiefen Tönen direkt ein deutliches Ausrufezeichen setzten. Die Band spielte in diesem Jahr immer wieder vereinzelte Shows in Deutschland und arbeitet sich so Schritt für Schritt weiter in die deutsche Metalszene vor. Musikalisch präzise schleuderten sie dem Publikum kompromisslose Metal-Hardcore-Riffs und kraftvolle Growls der feinsten Art entgegen. Am Schlagzeug konnten aufmerksame Fans eine Veränderung bemerken, denn der Posten wurde an diesem Abend neu besetzt von David Eckert, welcher den ausgestiegenen Michael Teufelberger ersetzte. Das Publikum in der bereits gut gefüllten Halle zeigte sich zu diesem frühen Zeitpunkt zwar noch etwas verhalten, gab sich aber sichtlich Mühe, langsam warm zu werden.

Im Anschluss an den starken Start von Vicious Rain folgten Letters Sent Home aus Hamburg. Trotz eines bereits sehr tourreichen Jahres, unter anderem auf EU-Tour mit From Fall To Spring, bündelte die Band noch einmal all ihre Kräfte, um der Zeche Carl kurz vor Jahresende ordentlich einzuheizen und das ist ihnen gelungen! Während einige Fans bereits textsicher mitfeierten präsentierte sich die junge Band selbstbewusst, hochmotiviert und voller Energie auf der Bühne.

Da wir Senna aus anderen Gründen leider nicht sehen konnten, ging es für uns dann im Anschluss erst Half Me im weiteren Verlauf des Abends weiter. Spätestens mit Half Me explodierte die Stimmung in der Halle. Die Post-Hardcore-Band aus dem hohen Norden brachte eine rohe Energie auf die Bühne, welche von den Fans sichtlich freudvoll aufgenommen wurde. Half Me brachten durch ihr schwarz-weißes Bühnenkonzept ein irgendwie düsteres Bild auf die Bühne. Die Fans im unteren Bereich der Halle moshten ausgiebig, und in der Masse gab es kein Halten mehr. Half Me katapultierten die Stimmung deutlich nach oben. Die Hamburger Jungs sind bereits seit Anfang dieses Jahres durchweg unterwegs und tourten bereits durch EU, USA und sogar Australien. Bei ihrer letzten Show des Jahres gaben sie noch einmal alles. „Essen hatte Bock!“, das Fazit steht ohne Zweifel fest.

Als großen Abschluss des Abends betraten The Narrator als Headliner mit einem 60-minütigen Set die Bühne. Ebenfalls gerade erst frisch von ihrer EU-Tour mit Annisokay zurück, durften sie an diesem Abend nicht nur ihr Jahresabschlusskonzert spielen, sondern auch den 30. Geburtstag ihres Shouters Jochen feiern. The Narrator kamen mit merklicher Vorfreude und jeder Menge Energie auf die Bühne. Das Curtain Call Festival war bereits nach kurzer Zeit ausverkauft, und die Leute freuten sich sichtlich, ihre Erfolgsband aus dem Pott anfeuern zu dürfen. The Narrator gingen direkt in die Vollen und spielten ein vielfältiges Set, gemischt aus Songs ihres in diesem Jahr erschienenen Debütalbums sowie neuen Singles.

Ohne viele Pausen spielten sie die Songs durch und das mit Wucht. Jedes Mal aufs Neue beweist Shouter Jochen, wie stimmlich grandios er die Songs auf der Bühne präsentiert. Die Band zeigte sich nahbar und sichtlich überwältigt vom lokalen, aber auch internationalen Support. Allgemein herrschte an diesem Abend eine sehr vertraute und nahe Stimmung. Dadurch, dass die Fans keine Barrikade oder Security von der Bühne trennte, wurde spätestens bei The Narrator die Bühne mit feiernden Fans und Crowdsurfern geteilt, und es herrschte eine wirklich heiße Stimmung im Saal. Christopher Zühlke von Half Me sowie Emily Paschke von Letters Sent Home kamen jeweils für ein kleines Feature mit auf die Bühne. Für mich waren vor allem die Songs vom Debütalbum die Highlights des Sets. Songs, die es bei der Tour mit Annisokay nicht in die Setlist geschafft hatten, wurden an diesem Abend endlich live gespielt, hoffentlich auch bei ihrer bereits angekündigten Headline-Tour 2026.

Insgesamt war das Curtain Call Festival 2025 eine rundum gelungene Veranstaltung. Mit fast 600 Besuchern (inkl. GL) kann sich das durchaus sehen lassen und soll auch weiterhin lokal in Essen ansässig bleiben und veranstaltet werden.

Bericht: Melina Thomaßen Fotos: Marcel Rotzoll