Ein ausverkauftes Dreierpaket mit Daughtry und Sevendust sorgt in Oberhausen für einen Abend voller Wucht und großer Momente
17.Februar 2026, Turbinenhalle Oberhausen – schon beim Betreten der ausverkauften Halle liegt diese besondere Spannung in der Luft. Drei Bands, jede für sich ein Schwergewicht, teilen sich das Billing. Ein Abend, der vom ersten Ton an klar macht, dass hier nichts Halbgares serviert wird.
Für mich begann er im Fotograben. Die ersten drei Songs jeder Band durfte ich mit der Kamera begleiten – eine Perspektive, die Intensität noch einmal anders spürbar macht.
Sevendust: Druckvoller Auftakt
Sevendust eröffneten mit „Black“ und legten damit sofort den Grundstein für einen kompromisslosen Einstieg. „Enemy“, „Praise“ oder „Denial“ rollten mit massiver Präzision durch die Turbinenhalle. Das Publikum war von Beginn an wach, dicht gedrängt, aufmerksam.
Gerade als Fotograf ist man bei Supports häufig mit schwierigen Lichtverhältnissen konfrontiert – doch an diesem Abend war das anders. Die Spots saßen, Konturen waren klar, die Bühne in satte Farben getaucht. Sevendust wirkten fokussiert, routiniert, und das Publikum dankte es mit spürbarer Zustimmung bis zu „Face to Face“.
Daughtry: Stadionrefrains im Ruhrgebiet
Mit Daughtry verschob sich die Atmosphäre. Die Songs wurden hymnischer, die Refrains größer. „It’s Not Over“ und „Over You“ sorgten für breite Mitsing-Passagen, während das Journey-Cover „Separate Ways (Worlds Apart)“ für ein kollektives Schmunzeln und kräftige Unterstützung aus dem Publikum sorgte.
Auch hier überzeugte die Lichtproduktion: klare Frontlichter, satte Farben, eine saubere Ausleuchtung – keine Selbstverständlichkeit bei einem Support-Set. Für uns Fotografen bedeutete das: endlich einmal Spielraum statt Schattenkampf. Spätestens beim Encore „Artificial“ war klar, dass dieses Package weit mehr ist als ein klassischer Tour-Vorabend.
Alter Bridge: Licht, Wucht und Präzision
Als Alter Bridge die Bühne betraten und mit „Silent Divide“ eröffneten, kippte die Stimmung endgültig in einen anderen Aggregatzustand. Von der ersten Sekunde an war da diese Mischung aus Druck und Präzision, die die Band seit Jahren auszeichnet.
Visuell legten sie noch einmal deutlich nach. Kühle, fast eisblaue Spots schnitten von der Hallendecke herab, während im Hintergrund großflächige LED-Panels mit rot-weißen, abstrakten Visuals arbeiteten. Das Schlagzeug – hinter Plexiglas positioniert – thronte mittig, das markante „AB“-Logo auf der Bassdrum als klares Statement.
Ich war beim Fotografieren stellenweise tatsächlich geblendet. Front- und Top-Spots waren so kraftvoll gesetzt, dass sie die Bühne regelrecht fluteten. Gleichzeitig erzeugten sie genau jene Tiefe, die man sich für starke Livebilder wünscht.
Musikalisch ließ die Setlist kaum Wünsche offen: „Addicted to Pain“, „Cry of Achilles“, „Fortress“ und „Broken Wings“ zeigten die ganze Bandbreite zwischen technischer Finesse und massiven Riffs. „Watch Over You“ brachte eine ruhigere, konzentrierte Stimmung in die Halle, bevor „Metalingus“ das Publikum noch einmal kollektiv aufspringen ließ.
Der Moment des Abends: „Blackbird“
Der Höhepunkt folgte im Encore.
Als die ersten Töne von „Blackbird“ erklangen, wurde es in der Turbinenhalle fast andächtig. Und dann dieser Refrain: Die gesamte Halle sang ihn laut mit, geschlossen, kraftvoll, ohne dass die Band viel dazu beitragen musste. Ein Gänsehautmoment – anders lässt es sich nicht beschreiben.
Man spürte förmlich, wie sich Band und Publikum in diesem Song begegneten. Für mich persönlich war es der stärkste Moment des Abends – nicht wegen der Lautstärke, sondern wegen dieser kollektiven Intensität. Ein Song, der ohnehin zu den größten im Katalog zählt, bekam hier noch einmal eine eigene Dimension.
Mit „Isolation“ beendeten Alter Bridge das Set kompromisslos und druckvoll. Kein überflüssiges Pathos, kein unnötiger Schnickschnack – einfach eine Band, die weiß, was sie kann.
Fazit
Die ausverkaufte Turbinenhalle in Oberhausen erlebte am 17. Februar 2026 einen Abend, der in Erinnerung bleiben wird. Sevendust lieferten einen massiven Auftakt, Daughtry überzeugten mit großen Melodien – doch Alter Bridge setzten dem Ganzen die Krone auf.
Technisch stark, visuell beeindruckend und musikalisch auf den Punkt: Dieses Dreierpaket zeigte, wie moderne Rockproduktionen 2026 aussehen können.
Und wenn eine komplette Halle den Refrain von „Blackbird“ mitsingt, weiß man, warum man sich immer wieder in diese engen Fotogräben stellt – und warum sich jeder noch so grelle Scheinwerfer lohnt.
Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)
