Rock Journal
Konzertberichte

Franz Ferdinand im Palladium Köln: Präzision, Publikumsnähe – und ein Fotograf zwischen Distanz und Dynamik

Schon beim Betreten des Palladium Köln lag eine gewisse Erwartung in der Luft – dieses typische Knistern, das große Indie-Namen auch nach Jahren noch zuverlässig erzeugen. Der Abend begann für mich jedoch mit einer kleinen Lücke: Den eigentlichen Opener The Great Leslie habe ich verpasst. Erst zum zweiten Support-Act war ich vor Ort – und traf auf Irnini Mons, die vor noch überschaubar gefülltem Saal spielten.

Auf der Bühne ein verspieltes Setup mit bunten Details, eine Frontperson im leuchtend orangefarbenen Outfit, die sich tief in die Gitarrenarbeit warf, während hinter ihr die Band konzentriert den Sound trug. Es wirkte eigenwillig und charmant, doch im Raum blieb die Resonanz zunächst zurückhaltend – ein klassischer früher Slot, bei dem das Publikum eher ankommt als vollständig eintaucht.

Für mich begann der eigentliche Abend dann im Fotograben – drei Songs lang, dicht dran am Geschehen, zwischen Kabeln, Monitorboxen und dem ständigen Blick nach oben zur Bühne. Als Franz Ferdinand mit „The Dark of the Matinée“ eröffneten, war sofort klar: Hier steht eine Band, die ihre Abläufe kennt. Spätestens mit „Night or Day“ und „Walk Away“ hatte sich die Szenerie deutlich verdichtet – nicht nur klanglich, sondern auch visuell. Frontmann Alex Kapranos suchte die große Geste, sprang mit gespreizten Beinen durch das grelle, fast flächige rote Licht, das die Bühne in eine dichte, fast theatralische Atmosphäre tauchte. Hinter ihm thronte das Schlagzeug erhöht, flankiert von klar gesetzten Lichtkanten – ein Setup, das auf Wirkung ausgelegt ist und genau das auch liefert.

Was aus dem Graben besonders auffiel: die Präzision. Jeder Einsatz saß, jede Bewegung wirkte einstudiert, ohne steril zu sein. Gleichzeitig blieb wenig Raum für Überraschung. Es war ein Konzert, das genau wusste, was es sein wollte – und das konsequent durchzog.

Im Saal selbst kippte die Stimmung mit zunehmender Spielzeit deutlich. Wo zuvor noch Platz war, drängte sich das Publikum nun dichter zusammen, Hände gingen nach oben, Reihen begannen zu wippen. Spätestens bei „No You Girls“ und „Michael“ war die Verbindung zwischen Bühne und Publikum hergestellt. Die Menge reagierte unmittelbar, sang mit, ließ sich treiben – eine Dynamik, die sich in Wellen durch den Raum zog. Besonders eindrücklich: die ersten Reihen, in denen sich unterschiedlichste Generationen mischten, von langjährigen Fans bis zu jüngeren Besucher*innen, die jeden Refrain mitnahmen.

Einige Momente ragten dabei vor allem durch ihre Rahmung heraus: „Stand on the Horizon“ wurde kurzerhand Fans gewidmet, die ein entsprechendes Schild hochhielten – eine dieser kleinen Gesten, die Nähe schaffen, ohne ins Pathetische zu kippen. Noch deutlicher wurde das bei „Take Me Out“: dem wohl erwartbarsten Höhepunkt des Abends, der einem Geburtstagskind in der ersten Reihe gewidmet wurde – verbunden mit der Bitte, die Smartphones unten zu lassen. Ein kurzer, fast altmodischer Moment der Konzentration, der tatsächlich funktionierte: weniger Displays, mehr direkte Aufmerksamkeit.

Musikalisch bewegte sich das Set souverän durch das bekannte Repertoire: „Do You Want To“, „Evil Eye“, „Jacqueline“ – alles sauber gespielt, druckvoll, mit klar konturiertem Sound. Doch gerade diese Souveränität war auch der Punkt, an dem eine gewisse Distanz blieb. Aus meiner Perspektive funktionierte vieles handwerklich überzeugend, ohne mich wirklich zu packen. Es war beeindruckend – aber nicht zwingend.

Das Finale setzte dennoch ein klares Ausrufezeichen: „Outsiders“ schob die Spannung noch einmal nach vorn, bevor die Band im Zugabenblock mit „Darts of Pleasure“, „Love Illumination“ und schließlich „This Fire“ den Abend routiniert zu Ende führte. Spätestens hier war das Publikum vollständig auf ihrer Seite – Arme oben, Stimmen laut, ein kollektiver Abschluss, wie man ihn von einer Band dieses Formats erwartet.

Am Ende bleibt ein Konzert, das kaum Schwächen zeigte, aber auch wenig Risiko einging. Franz Ferdinandpräsentierten sich als perfekt eingespielte Liveband mit klarem Gespür für Dramaturgie und Publikum. Für die Fans im Palladium Köln war es ein Abend zum Mitgehen, Mitsingen, Mitfeiern. Für mich als Fotograf im Graben vor allem eines: ein intensiver, visuell starker Einstieg – und danach ein Konzert, das ich respektierte, ohne wirklich darin aufzugehen.

Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)