Rock Journal
Plattencheck

Plattencheck: J.B.O. – Haus Of The Rising Fun

Mit „Haus Of The Rising Fun“ liefern J.B.O. 2026 ihr mittlerweile fünfzehntes Studioalbum ab – und bleiben sich dabei in vielerlei Hinsicht treu. Die fränkischen Fun-Metal-Veteranen, seit Ende der 80er im Geschäft, machen weiterhin genau das, was man von ihnen erwartet: parodieren, persiflieren, überzeichnen – und das alles mit einer ordentlichen Portion Metal im Fundament.

Doch genau hier liegt auch das Problem: Erwartbar heißt in diesem Fall leider oft auch vorhersehbar.

Sound & Stil: Bewährtes Konzept ohne große Überraschungen
Musikalisch bewegt sich das Album klar im klassischen J.B.O.-Kosmos: knackige Metal-Riffs, eingängige Refrains und ein Mix aus Eigenkompositionen und parodistischen Cover-Versionen. Typisch ist etwa die Verwandlung bekannter Songs – von Pop bis Rock – in metallische Spaßnummern, ein Markenzeichen der Band seit ihren Anfängen.

Tracks wie „Ma Ma Ma Metal“ oder „Stinkefinger“ funktionieren dabei solide, liefern Live-taugliche Hooks und die gewohnte Mitgröl-Qualität. Auch die Cover-Ausflüge (z. B. Pop-Adaptionen) zeigen, dass J.B.O. ihr Handwerk noch immer beherrschen – gerade die Kunst, Vorlagen so umzubauen, dass sie gleichzeitig erkennbar und eigenständig wirken.

Allerdings: Wirklich neue Ideen sucht man vergeblich. Vieles wirkt wie ein Recycling bekannter Versatzstücke – „alte Hüte, neu geflochten“, wie es eine Kritik treffend formuliert.

Humor & Texte: Zwischen charmant und ausgelutscht
Textlich bleibt die Band ihrem Humor treu – irgendwo zwischen Albernheit, Wortspielen und bewusst flachem Blödsinn. Das funktioniert immer noch stellenweise gut, vor allem wenn J.B.O. gesellschaftliche oder musikalische Klischees aufs Korn nehmen.

Doch der Witz nutzt sich ab. Wo frühere Alben noch mit überraschenden Pointen oder cleveren Parodien glänzten, wirkt vieles hier eher routiniert als inspiriert. Einige Gags zünden, andere verpuffen – und genau diese Schwankung zieht sich durchs ganze Album.

Kritiken beschreiben das treffend: Nicht alles funktioniert sofort, aber einzelne Momente zeigen noch das alte Können der Band.

Produktion & Gesamtwirkung: Solide, aber wenig Seele
Handwerklich gibt es wenig zu meckern. Produktion, Sound und Arrangements sind sauber und druckvoll – das Album klingt modern und professionell.

Aber genau hier entsteht ein gewisser Widerspruch: Trotz guter Produktion fehlt es dem Werk stellenweise an Seele und Leidenschaft. Manche Kritiken gehen sogar so weit, das Album als vergleichsweise „lieblos“ im Vergleich zu früheren Releases zu bezeichnen.

Das ist vielleicht etwas hart formuliert – aber ein Körnchen Wahrheit steckt drin: Es wirkt weniger wie ein Herzensprojekt und mehr wie ein routinierter Pflichttermin im J.B.O.-Release-Zyklus.

Vergleich zu früheren Alben
Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: dem Vergleich mit der eigenen Diskografie.

Frühere Klassiker – etwa aus der Hochphase um die späten 90er und frühen 2000er – hatten mehr Biss, mehr kreative Energie und vor allem mehr Überraschungsmomente. Damals fühlte sich der Humor frischer an, die Parodien treffsicherer und die Songs nachhaltiger.

„Haus Of The Rising Fun“ hingegen ist ein typisches Spätwerk: solide, unterhaltsam, aber selten wirklich herausragend. Einige Stimmen sehen es zwar als starkes Album im Spätwerk-Kontext, doch die Einigkeit besteht darin, dass es nicht ganz an die Klassiker heranreicht.

Fazit
„Haus Of The Rising Fun“ ist kein schlechtes Album – aber eben auch kein besonderes.

Es bietet genau das, was Fans erwarten: humorvollen Metal, Parodien und den typischen J.B.O.-Charme. Doch gleichzeitig zeigt es auch die Grenzen dieses Konzepts, wenn es über Jahrzehnte hinweg kaum weiterentwickelt wird.

Unterm Strich:
Ein unterhaltsames, solides Album mit einzelnen Highlights – aber ohne die Frische, den Biss und die Originalität, die frühere J.B.O.-Veröffentlichungen ausgezeichnet haben.

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