Ausverkauftes Köln-Konzert zwischen Flammenmeer, Crowdsurfern und einem mächtigen Bühnenbild
Wenn Machine Head nach Köln kommen, ist klar, dass es kein stiller Abend wird. Bereits vor dem ersten richtigen Song lag im ausverkauften Palladium diese gespannte Erwartung in der Luft, die man nur bei Bands erlebt, die sich über Jahrzehnte eine kompromisslose Live-Reputation erspielt haben. Schon während des Intros „In Comes the Flood“ richteten sich die Blicke auf die monumentale Bühne: das riesige MH-Emblem im Hintergrund, flankiert von martialischen Grafiken, dazu Nebelschwaden und scharf gesetzte Lichtkegel, die die Halle Stück für Stück in eine düstere Metal-Kulisse verwandelten.
Mit „Imperium“ fiel dann endgültig der Startschuss für einen Abend, der dem Publikum kaum Zeit zum Durchatmen ließ. Von Beginn an herrschte im Innenraum Ausnahmezustand. Crowdsurfer tauchten bereits in den ersten Minuten über den Köpfen der Fans auf – ein Umstand, der nicht nur die Security permanent forderte, sondern auch im Fotograben für zusätzliche Hektik sorgte. Dort wurde schnell deutlich, wie eng es werden kann, wenn sich acht Fotografen gleichzeitig um die besten Perspektiven bemühen und man dabei ständig darauf achten muss, den Sicherheitskräften nicht im Weg zu stehen. Gerade bei einer Band wie Machine Head, deren Publikum praktisch pausenlos in Bewegung ist, wurde der Graben selbst zu einem kleinen Hochleistungsbereich.
Trotz der eingeschränkten Bewegungsfreiheit bot die Nähe zur Bühne eindrucksvolle Bilder. Besonders Frontmann Robb Flynn dominierte das Geschehen mit einer Präsenz, die selbst aus kurzer Distanz beeindruckte. Immer wieder stand er im Zentrum der Lichtregie, perfekt ausgeleuchtet zwischen kalten Weiß- und Blautönen oder später in infernalischem Rot und Orange, wenn die Pyroeffekte die Bühne in ein Flammenmeer tauchten. Vor allem die Feuerfontänen verliehen Songs wie „BECØME THE FIRESTØRM“ oder „Halo“ eine beinahe apokalyptische Wucht. Hinter Flynn thronte das massive Drumkit wie eine Festung und unterstrich den ohnehin monumentalen Charakter der Produktion.
Auffällig war allerdings auch, dass die Lichtsetzung sehr stark auf den Sänger fokussiert war. Während Robb Flynn nahezu durchgehend ideal in Szene gesetzt wurde, verschwanden die übrigen Musiker stellenweise regelrecht im Schatten oder gingen zwischen den harten Kontrasten der Lichtshow verloren. Für Fotografen bedeutete das zwar spektakuläre Motive im Zentrum der Bühne, gleichzeitig aber schwierige Bedingungen, um die komplette Band gleichwertig einzufangen.
Musikalisch setzte die Band auf eine breite und kompromisslose Setlist, die sowohl moderne Stücke als auch ältere Fan-Favoriten vereinte. Nach dem brachialen Auftakt mit „Ten Ton Hammer“ und „CHØKE ØN THE ASHES ØF YØUR HATE“ arbeitete sich die Band mit chirurgischer Präzision durch ein über zweistündiges Programm. Songs wie „Now We Die“, „The Blood, the Sweat, the Tears“ oder „Locust“ sorgten für permanente Bewegung im Publikum, während „Darkness Within“ als akustischer Gegenpol zumindest kurzzeitig etwas Ruhe in die ansonsten nahezu pausenlos eskalierende Halle brachte.
Die Reaktion des Publikums war dabei durchgehend euphorisch. Selbst weit hinten im Palladium blieb die Begeisterung spürbar. Allerdings zeigte sich dort auch eine Schwäche des Abends: Während der Sound im vorderen Bereich druckvoll und differenziert wirkte, verwandelte er sich weiter hinten zunehmend in einen wenig klaren Klangteppich. Gerade bei den dichteren Arrangements verlor sich manches Detail in einem schwer kontrollierbaren Soundbrei. Für eine Band, deren Musik von Präzision und Wucht gleichermaßen lebt, war das einer der wenigen echten Kritikpunkte des Konzerts.
Dass dies die Stimmung ernsthaft gebremst hätte, konnte man dem Publikum jedoch nicht anmerken. Als Machine Head mit „Davidian“ und dem abschließenden „Halo“ die letzten Reserven mobilisierten, wurde das Palladium endgültig zum kochenden Kessel. Die Mischung aus massiver Produktion, kompromissloser Härte und einer sichtbar motivierten Band reichte aus, um Köln über weite Strecken genau das zu liefern, was man von einer Machine-Head-Show erwartet: ein überwältigendes Spektakel zwischen kontrolliertem Chaos und brachialer Live-Wucht.
Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)
