Rock Journal
Konzertberichte

Cemetery Skyline: Magie im Bahnhof Pauli

Cemetery Skyline verwandelten den Hamburger Bahnhof Pauli am 15. Mai in eine düstere nordische Klangwelt zwischen Gothic Rock, Melancholie und einer mystischen Atmosphäre. Die an einen verlassenen U-Bahnhof erinnernde Location mit ihren gekachelten Wänden, flackernden Neonröhren und der langen Lichtführung bis tief ins Publikum hinein wirkte wie geschaffen für den Sound der finnisch-schwedischen Gothic Gruppe.

Eröffnet wurde der Abend von der noch jungen Progressive-Band Royal Sorrow, die sich erst 2024 gegründet hat. Mit ihrem modernen, progressiven Sound schafften sie einen gelungenen Einstieg und bereiteten das Publikum atmosphärisch perfekt auf den Hauptact vor.

Hinter Cemetery Skyline stehen bekannte Gesichter aus der Metal-Szene: Sänger Mikael Stanne (Dark Tranquillity, The Halo Effect, Grand Cadaver), Gitarrist Markus Vanhala (Insomnium, Omnium Gatherum, I Am The Night), Keyboarder Santeri Kallio von Amorphis, Bassist Victor Brandt (Dimmu Borgir, Witchery, ex-Entombed/Entombed A.D., ex-Firespawn) sowie Schlagzeuger Vesa Ranta (Sentenced, The Abbey). Entsprechend hoch waren die Erwartungen und die fünf Musiker lieferten eindrucksvoll ab.

Vor allem Leadsänger Stanne überzeugte mit einer bemerkenswert authentischen Bühnenpräsenz und spürbarer Nähe zum Publikum. Mit seiner kraftvollen, tiefen Stimme erreichte er mühelos auch die letzte Reihe und verlieh den Songs eine intensive emotionale Tiefe. Dabei wirkte nichts aufgesetzt oder künstlich inszeniert, vielmehr entstand das Gefühl, dass hier fünf Musiker stehen, die genau die Musik machen, die sie selbst fühlen.

Vanhala an der Gitarre, Kallio am Keyboard, Brandt am Bass und Ranta am Schlagzeug erschufen gemeinsam einen beeindruckend dichten Klangteppich aus schweren Gitarren, melancholischen Synth-Flächen und treibenden Rhythmen. Besonders die ruhigen Passagen zwischen den Songs hinterließen bei mir persönlich besonders Eindruck: Feinfühlige Keyboard-Melodien und atmosphärische Gitarrenläufe fesselten das Publikum beinahe vollständig und sorgten immer wieder für Momente gespannter Stille, bevor die Band erneut in Gothic-Wände aus Sound überging.

Einen wesentlichen Anteil an der Wirkung des Konzerts hatte auch die Lichtinszenierung. Die Bandmitglieder blieben über weite Strecken fast vollständig im Dunkeln, während lediglich einzelne Farbflächen die Bühne durchbrachen. Gemeinsam mit dem dichten Nebel wirkten die fünf Musiker wie schemenhafte Gestalten, die über den Köpfen der gebannt lauschenden Zuschauer schwebten. Was für Fotografen stellenweise zur echten Herausforderung wurde, sorgte im Publikum sichtbar für Begeisterung und verstärkte die mystische Atmosphäre zusätzlich.

Natürlich durften auch Songs des erst kürzlich erschienenen Debütalbums Nordic Gothic nicht fehlen. Auch Coversongs, wie die des Songs: von I Drove All Night wurden gespielt. Obwohl der Titel vielen vermutlich eher durch Celine Dion bekannt sein dürfte, wurde die Coverversion von den Gothic- und Metal-Fans im Bahnhof Pauli überraschend textsicher und lautstark mitgesungen.

Dass der Auftritt Eindruck hinterließ, zeigte sich spätestens nach Konzertende. Beim Verlassen der Venue hörte man immer wieder Kommentare wie „Wow, was für eine Show“ oder „Wie krass war das denn bitte?“. Und tatsächlich: Cemetery Skyline gelang es im Bahnhof Pauli, nicht nur ein Konzert zu spielen, sondern eine durchgehend dichte, düstere und zugleich faszinierende Atmosphäre zu erschaffen, die dem Publikum vermutlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Text & Foto: Leonie Steinmetz