Doppelspitze, starke Songs und ein Publikum, das jede Zeile kannte
Oberhausen, 10. Juni 2026 – Schon vor dem ersten Ton war klar, dass dieser Abend etwas Besonderes werden würde. Die Turbinenhalle Oberhausen meldete restlos ausverkauft, die Vorfreude war in jeder Ecke der Halle spürbar. Mit Catch Your Breath und Three Days Grace standen zwei Bands auf dem Programm, die den Fans modernen Alternative- und Hard-Rock in unterschiedlichen Facetten präsentieren sollten. Während der Support zunächst noch auf ein eher abwartendes Publikum traf, entwickelte sich der Abend spätestens mit dem Hauptact zu einer eindrucksvollen Demonstration dafür, warum Three Days Grace seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Bands ihres Genres gehören.
Den Auftakt übernahmen Catch Your Breath, die für viele Besucher – mich eingeschlossen – noch weitgehend Neuland waren. Die Reaktionen fielen zunächst etwas zurückhaltend aus, dennoch honorierte das Publikum die Leistung der Band mit freundlichem Applaus. Je länger das Set dauerte, desto deutlicher wurde jedoch, dass die Amerikaner mehr sind als nur ein gewöhnlicher Support-Act. Ihr moderner Sound und die souveräne Bühnenpräsenz hinterließen Eindruck. Nach dem Konzert blieb bei mir vor allem ein Gedanke hängen: In diese Band werde ich definitiv noch tiefer reinhören.
Als schließlich die Lichter für Three Days Grace erloschen und die ersten Töne von „Dominate“ durch die Turbinenhalle hallten, änderte sich die Stimmung schlagartig. Die zuvor noch geduldige Menge verwandelte sich in ein lautstark feierndes Publikum. Der Opener erwies sich einmal mehr als perfekte Wahl, um die Halle sofort auf Betriebstemperatur zu bringen.
Was Three Days Grace derzeit besonders macht, ist die einzigartige Konstellation an den Mikrofonen. Mit Adam Gontier und Matt Walst verfügt die Band über zwei Frontmänner, die sich nicht gegenseitig die Show stehlen, sondern sich ideal ergänzen. Beide erhielten ausreichend Raum, ihre Stärken auszuspielen. Besonders auf dem langen Bühnensteg, der weit ins Publikum ragte, zeigte sich dieses Zusammenspiel eindrucksvoll. Immer wieder wechselten sich beide Sänger ab, suchten die Nähe zu den Fans und sorgten dafür, dass jede Ecke der Halle in das Geschehen eingebunden wurde.
Auch optisch ließ die Produktion kaum Wünsche offen. Die Lichtshow präsentierte sich abwechslungsreich, kraftvoll und stets passend zur jeweiligen Songstimmung. Wechselnde Farben, intensive Lichtakzente und eine durchdachte Inszenierung verliehen den Songs zusätzliche Wirkung, ohne dabei jemals von der Musik abzulenken. Die Bühne wirkte groß, lebendig und perfekt auf die Dimensionen der ausverkauften Halle abgestimmt.
Die Setlist bot einen gelungenen Querschnitt durch die Karriere der Band. Bereits früh sorgten Klassiker wie „Animal I Have Become“, „Break“, „Pain“ und „I Am Machine“ für begeisterte Reaktionen. Dazwischen fanden auch neuere Stücke wie „So Called Life“, „Kill Me Fast“, „Apologies“ oder „Don’t Wanna Go Home Tonight“ ihren Platz und fügten sich nahtlos in den Abend ein.
Zu den persönlichen Höhepunkten zählten für mich vor allem „Dominate“, das schon zu Beginn die Richtung vorgab, sowie „I Hate Everything About You“, das auch nach all den Jahren nichts von seiner Wirkung verloren hat. Ganz besonders stach jedoch „The Mountain“ hervor. Einer meiner absoluten Lieblingssongs der Band entfaltete live eine enorme Kraft und wurde vom Publikum entsprechend gefeiert.
Einen willkommenen Kontrast zum druckvollen Hauptteil des Konzerts bildeten die akustischen Versionen von „Chalk Outline“ und „Lifetime“. Die ruhigeren Arrangements verliehen dem Set zusätzliche Dynamik und zeigten eine andere Seite der Band. Spätestens bei „Never Too Late“ wurde deutlich, wie eng die Verbindung zwischen Band und Publikum an diesem Abend war. Die Fans sangen den Song lautstark mit und verwandelten die Turbinenhalle für einige Minuten in einen einzigen großen Chor – einer jener Momente, die man auch lange nach Konzertende noch im Kopf behält.
Zum Finale zog Three Days Grace die Spannung noch einmal an. „Mayday“, „Painkiller“ und das unvermeidliche „Riot“ sorgten für einen furiosen Schlussspurt, bei dem die Halle ein letztes Mal alles gab. Die Band wirkte dabei spielfreudig, fokussiert und bestens aufgelegt – als hätte sie selbst genauso viel Spaß an diesem Abend wie die Fans vor der Bühne.
Kritikpunkte? Kaum der Rede wert. Sound, Licht, Setlist und Performance griffen perfekt ineinander. Catch Your Breath lieferten einen überzeugenden Auftakt, Three Days Grace präsentierten sich in Bestform, und die ausverkaufte Turbinenhalle bot den passenden Rahmen für einen Konzertabend, an dem einfach alles zusammenpasste.
Setlist Three Days Grace
- Dominate
- Animal I Have Become
- So Called Life
- Break
- I Am Machine
- Pain
- The Mountain
- Kill Me Fast
- I Hate Everything About You
- Apologies
- Don’t Wanna Go Home Tonight
- Chalk Outline (Acoustic)
- Lifetime (Acoustic)
- World So Cold
- The Good Life
- Never Too Late
- Mayday
- Painkiller
- Riot
Fazit
Three Days Grace lieferten in Oberhausen genau das, was man sich von einem Headliner dieses Formats erhofft: starke Songs, eine beeindruckende Bühnenpräsenz, eine durchgehend packende Atmosphäre und zwei Sänger, die gemeinsam hervorragend funktionieren. Vor ausverkauftem Haus entstand ein Konzert, das Fans der Band noch lange in Erinnerung bleiben dürfte – ein Abend voller großer Refrains, mitreißender Momente und einer Band, die aktuell stärker wirkt denn je.
Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)
