Rock Journal
Konzertberichte

Skunk Anansie zwischen Wucht, Haltung und großen Hymnen

Charismatische Frontfrau, starke Setlist und ein Publikum, das jede Zeile mitsingt

Am 11. Juni 2026 machte die Europa-Tour von Skunk Anansie Halt in der Turbinenhalle 2 in Oberhausen. Schon früh deutete vieles darauf hin, dass die Halle nahezu ausverkauft sein würde. Während der Support-Act Lady Lazarus zunächst noch auf ein eher zurückhaltendes Publikum traf, sollte sich das Bild im Laufe des Abends grundlegend ändern. Als Skunk Anansie die Bühne betraten, verwandelte sich die Halle innerhalb weniger Minuten in einen einzigen pulsierenden Klangkörper.

Lady Lazarus: Rauer Punk mit viel Bewegung

Den Auftakt übernahm Lady Lazarus. Musikalisch blieb der Auftritt zwar nicht nachhaltig in Erinnerung, dennoch hatte die Band ihre Momente. Vor allem der ungeschliffene, dreckige Punk-Sound passte gut als Kontrast zum späteren Hauptact. Beeindruckend war vor allem die Agilität auf der Bühne. Ständig war Bewegung im Spiel, ständig passierte etwas. Aus Fotografensicht bot der Auftritt zahlreiche Motive und deutlich mehr Dynamik, als man es bei vielen Vorbands erlebt.

Das Publikum reagierte allerdings noch verhalten. Die Aufmerksamkeit war vorhanden, echte Begeisterungsstürme blieben jedoch aus. Viele schienen vor allem auf den Hauptact zu warten.

Dramatischer Auftakt und starke Bühnenästhetik

Mit „This Means War“ eröffneten Skunk Anansie ihren Auftritt und machten sofort klar, dass dieser Abend keine nostalgische Pflichtübung werden würde. Die Bühne präsentierte sich in einer düsteren, fast industriellen Inszenierung. Spitz zulaufende Bühnenelemente ragten vor dem Schlagzeug empor, während kräftige Gegenlichter und Nebelschwaden die Musiker immer wieder als Silhouetten erscheinen ließen.

Gerade aus fotografischer Sicht hatte diese Lichtregie allerdings ihre Tücken. Während der ersten drei Songs im Fotograben sorgte ein permanenter Nebelschleier für erschwerte Bedingungen. Hinzu kamen große Monitorboxen und Bühnenelemente, die immer wieder Teile der Band verdeckten. Die Lichtshow setzte konsequent auf starke Backlights in kalten Blautönen und warmen Goldfarben. Für das Publikum entstand dadurch eine eindrucksvolle Atmosphäre, Fotografen mussten sich ihre Motive dagegen hart erarbeiten.

Die Bilder des Abends spiegelten diese Ästhetik eindrucksvoll wider. Skin erschien immer wieder als markante Silhouette im Gegenlicht, während Nebel und Lichtstrahlen die Bühne in wechselnde Blau- und Goldtöne tauchten. Die spitzen Bühnenelemente verliehen der Inszenierung zusätzlich eine fast skulpturale Wirkung und unterstrichen den düsteren Charakter der Show.

Skin beherrscht die Bühne

Im Mittelpunkt stand einmal mehr Skin. Kaum jemand schafft es, eine Bühne derart selbstverständlich für sich einzunehmen. Mit ausladenden Gesten, unermüdlicher Bewegung und ihrer unverwechselbaren Präsenz zog sie die Aufmerksamkeit vom ersten Moment an auf sich.

Auch stimmlich zeigte sie sich in hervorragender Verfassung. Die Songs wirkten kraftvoll und präzise, ohne dass die Band dabei steril oder überinszeniert wirkte. Vielmehr hatte man den Eindruck, einer Gruppe zuzusehen, die auch nach Jahrzehnten noch genau weiß, wie ihre Musik live funktionieren muss.

Dabei profitierte die Show von einer ausgewogenen Setlist, die aktuelle Stücke und Klassiker geschickt miteinander verband. Bereits früh sorgten „Charlie Big Potato“ und „Because of You“ für erste Begeisterungsstürme. Spätestens bei „Weak“ erreichte die Stimmung in der Halle jedoch einen neuen Höhepunkt. Die Fans sangen lautstark mit und verwandelten den Song in einen jener Konzertmomente, die lange im Gedächtnis bleiben.

Der Weg ins Publikum

Einer der stärksten Augenblicke des Abends folgte mit „I Can Dream“. Skin verließ die Bühne und begab sich mitten ins Publikum. Solche Momente können schnell kalkuliert wirken, hier fühlte es sich jedoch vollkommen natürlich an. Die Distanz zwischen Band und Fans verschwand augenblicklich, und die ohnehin schon intensive Stimmung gewann noch einmal deutlich an Intensität.

Auch die politischen und gesellschaftskritischen Seiten der Band kamen nicht zu kurz. Songs wie „Yes It’s Fucking Political“ oder „Little Baby Swastikkka“ erinnerten daran, dass Skunk Anansie nie nur für eingängige Rockhymnen standen, sondern stets auch klare Haltung gezeigt haben.

Ein Finale voller Höhepunkte

Nach dem regulären Set kehrte die Band für einen starken Zugabenblock zurück. „Cheers“, „Hedonism (Just Because You Feel Good)“, „Lost and Found“ sowie die ungewöhnliche Kombination aus „Highway to Hell“ und „The Skank Heads (Get Off Me)“ hielten das Niveau konstant hoch.

Besonders „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ entwickelte sich zu einem der Höhepunkte des Abends. Kaum ein anderer Song im Repertoire der Band besitzt eine vergleichbare Strahlkraft, und entsprechend lautstark fiel die Reaktion des Publikums aus.

Den Schlusspunkt setzte schließlich eine akustische Version von „You’ll Follow Me Down“. Nach einem Konzert voller Druck, Dynamik und Intensität wirkte dieser Ausklang fast intim und bot einen gelungenen Kontrast zum Rest des Abends.

Setlist Skunk Anansie

  1. This Means War
  2. Charlie Big Potato
  3. Because of You
  4. An Artist Is an Artist
  5. Love Someone Else
  6. God Loves Only You
  7. Shame
  8. Weak
  9. Twisted (Everyday Hurts)
  10. I Can Dream
  11. Animal
  12. Yes It’s Fucking Political
  13. Tear the Place Up
  14. Little Baby Swastikkka

Encore:

  1. Cheers
  2. Hedonism (Just Because You Feel Good)
  3. Lost and Found
  4. Highway to Hell / The Skank Heads (Get Off Me)
  5. You’ll Follow Me Down (Acoustic)

Fazit

Skunk Anansie lieferten in der Turbinenhalle 2 ein Konzert ab, das eindrucksvoll zeigte, warum die Band auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung nichts von ihrer Relevanz verloren hat. Die Setlist war stark, die Band bestens eingespielt und Skin einmal mehr eine Ausnahmeerscheinung auf der Bühne.

Nicht jede Entscheidung der Lichtregie erwies sich als fotografenfreundlich, und auch der Support von Lady Lazarus konnte musikalisch nicht vollständig überzeugen. Dennoch blieb unter dem Strich ein Abend, der vor allem durch die Bühnenpräsenz von Skin, die starke Publikumsbindung und Songs wie „Charlie Big Potato“, „Weak“ und „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ in Erinnerung bleiben wird.

Als sich nach dem letzten Ton langsam das Licht in der Turbinenhalle wieder einschaltete, war eines deutlich spürbar: Skunk Anansie gehören auch heute noch zu den Bands, die ihre Songs nicht einfach nur spielen, sondern sie mit Überzeugung und einer bemerkenswerten Bühnenpräsenz zum Leben erwecken.

Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)