Atmosphärische Lichtkunst, makelloser Sound und ein Publikum, das zufrieden nach Hause ging – dennoch hinterließ der Auftritt von A Perfect Circle einen überraschend zwiespältigen Eindruck.
Am 21. Juni 2026 machte A Perfect Circle Station in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf. Draußen zeigte sich der Sommer von seiner extremen Seite, die Temperaturen kletterten auf über 30 Grad. Entsprechend spürbar war die Anstrengung eines langen Konzerttages bereits vor dem ersten Ton. In der Halle selbst herrschten jedoch angenehme Bedingungen, als sich die gut gefüllten Reihen langsam füllten. Ausverkauft war der Abend nicht, dennoch sorgten die zahlreichen Fans für eine respektable Kulisse.
Den Auftakt übernahm Jehnny Beth, die mit einer eindrucksvollen Mischung aus Intensität und Bühnenpräsenz überzeugte. Gerade aus fotografischer Sicht bot ihr Set ideale Bedingungen. Klare Spotlights, kontrastreiche Lichtkegel und eine direkte Ausleuchtung sorgten für starke Motive. Die Sängerin dominierte die Bühne mit selbstbewusstem Auftreten und zog die Aufmerksamkeit mühelos auf sich. Ihre Performance wirkte unmittelbar, greifbar und lebendig.
Ganz anders präsentierte sich anschließend die Welt von A Perfect Circle.
Schon mit dem Opener „The Package“ wurde deutlich, dass die Band konsequent auf Atmosphäre statt auf klassische Rockshow setzte. Vertikale Lichtstelen rahmten die Bühne ein, Nebelschwaden zogen durch die Szenerie, während warme Orange-, Rot- und Bernsteintöne das Bild bestimmten. Hinter der Band erzeugten großflächige LED-Projektionen eine fast cineastische Kulisse. Die Inszenierung wirkte durchdacht und ästhetisch, zugleich aber auch bewusst distanziert.
Besonders Frontmann Maynard James Keenan blieb über weite Strecken eher eine Silhouette als eine klassische Bühnenfigur. Meist auf einem erhöhten Podest positioniert, entzog er sich dem direkten Blick des Publikums. Gegenlicht, Schatten und starke Kontraste machten ihn zu einem Teil der Gesamtinszenierung. Visuell hatte das durchaus seinen Reiz, für Fotografen stellte es allerdings eine echte Herausforderung dar. Während die Instrumentalisten gelegentlich in warmes Licht getaucht wurden, blieb der Sänger oft nahezu vollständig im Dunkeln.
Musikalisch ließ sich dagegen wenig kritisieren. Der Sound in der Mitsubishi Electric Halle präsentierte sich druckvoll, transparent und hervorragend ausbalanciert. Die komplexen Arrangements der Band kamen eindrucksvoll zur Geltung, jede Nuance war hörbar. Songs wie „The Doomed“, „Weak and Powerless“ oder „The Outsider“ entwickelten die erwartete Wucht, ohne dabei an Präzision einzubüßen.
Zu den stärksten Momenten des Abends zählte für mich „Disillusioned“. Die Mischung aus melancholischer Atmosphäre und kontrollierter Dynamik entfaltete hier ihre volle Wirkung. Auch das abschließende „Judith“ setzte noch einmal ein deutliches Ausrufezeichen und sorgte für einen kraftvollen Schlusspunkt. Dazwischen spannte die Band einen Bogen durch ihr Schaffen, von älteren Klassikern bis zu neueren Stücken wie „Kindred“ oder „The Contrarian“. Selbst John Lennons „Imagine“ fügte sich überraschend stimmig in das Set ein.
Und doch blieb am Ende ein merkwürdiges Gefühl zurück.
Denn trotz der hohen musikalischen Qualität, des starken Sounds und der aufwendigen visuellen Umsetzung wollte sich jene besondere Verbindung zwischen Bühne und Publikum nicht einstellen, die großartige Konzerte oft auszeichnet. Das Publikum schien die Show durchaus zu genießen. Viele Reaktionen fielen positiv aus, Applaus und Begeisterung waren regelmäßig spürbar. Dennoch wirkte die Band über weite Strecken, als würde sie ihr Programm konzentriert und routiniert abarbeiten.
Ansagen waren kaum vorhanden, echte Interaktion praktisch nicht. Zwischen den Songs entstanden nur wenige Momente, in denen sich eine Beziehung zum Publikum entwickeln konnte. Die Distanz schien Teil des Konzepts zu sein, doch gerade dadurch blieb der Abend stellenweise überraschend kühl. Man bewunderte die Darbietung, ohne sich ihr vollständig hinzugeben.
Vielleicht spielte auch die Erschöpfung eines außergewöhnlich heißen Sommertages eine Rolle bei der eigenen Wahrnehmung. Vielleicht war es die bewusst zurückhaltende Präsentation der Band. Wahrscheinlich lag die Wahrheit irgendwo dazwischen.
So bleibt ein Konzert, das handwerklich nahezu tadellos war und viele Besucher glücklich gemacht haben dürfte. A Perfect Circle lieferten eine professionell inszenierte Show mit beeindruckendem Sound und starken Einzelmomenten. Für mich persönlich jedoch blieb trotz aller Qualitäten eine gewisse Distanz bestehen. Man verließ die Halle mit Respekt vor der Leistung der Band – aber ohne das Gefühl, einen jener Abende erlebt zu haben, die noch lange nachhallen.
Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)
