Das diesjährige Free For All Festival in Stapelmoor zeigte einmal mehr, warum es längst kein Geheimtipp mehr in der deutschen Rock- und Core-Szene ist. Ein vielseitiges Line-up und eine familiäre Atmosphäre sorgten für einen Festivaltag, der den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Zwischen Moshpits, emotionalen Gänsehautmomenten und ausgelassener Feierlaune bewies das Festival eindrucksvoll, wie viel Herzblut in der Veranstaltung steckt.
Sundance eröffnen mit einer Überraschung
Den Auftakt des Tages übernahmen Sundance und die Band machte direkt klar, dass sie nicht nur als Opener fungieren wollte. Mit viel Energie eröffneten sie das Festival und brachten bereits früh Bewegung in die Menge.
Für einen kurzen Moment schien es jedoch, als wäre der Auftritt bereits vorbei: Zu den Klängen von „Here Comes The Sun“ von den Beatles entstand eine kleine Verschnaufpause. Doch wer dachte, das Set sei beendet, wurde eines Besseren belehrt. Die Band nutzte den Moment und legte anschließend erst richtig los. Der plötzliche Energieschub traf das Publikum völlig unvorbereitet und sorgte für begeisterte Reaktionen.
XO Armor und Broken Horizon heizen weiter ein
Im Anschluss sorgten XO Armor mit ihrem ungewöhnlichen Genre-Mix für Aufmerksamkeit. Die Kombination aus Metalcore, Trap, Techno und Pop verlieh dem Auftritt eine moderne und abwechslungsreiche Note, die beim Publikum hervorragend ankam.
Auch die Spanier von The Broken Horizon knüpften nahtlos an die starke Anfangsphase des Festivals an. Trotz der enormen Hitze ließen sich die Besucher nicht davon abhalten, ausgiebig zu feiern. Moshpits und Circle Pits entstanden bereits am frühen Nachmittag und zeigten eindrucksvoll, wie motiviert die Festivalbesucher waren.
Für die nötige Abkühlung sorgte die Security, die immer wieder Wasserschläuche auf die Menge richtete.
Stesy trotzen technischen Problemen und sorgen für Gänsehaut
Zu den wohl sympathischsten Auftritten des Tages gehörte der von Stesy. Die österreichische Band verwandelte das Gelände mit Songs wie „We Like To Party“ in eine einzige große Partyzone. Trotz der hohen Temperaturen drehten die Besucher begeistert ihre Runden in Circle Pits und bildeten sogar eine riesige Polonaise über das Gelände.
Der Auftritt blieb jedoch nicht von Problemen verschont. Ein unglücklich platzierter Wasserstrahl traf Teile der Technik und verursachte einen Kurzschluss. Doch anstatt sich aus der Ruhe bringen zu lassen, bewiesen Stesy große Professionalität.
Frontmann Chris nutzte die Unterbrechung, um die Zuschauer kurzerhand zum Mitsingen zu animieren. Gemeinsam wurde unter anderem „I Want It That Way“ angestimmt. Die improvisierte Akustik-Atmosphäre sorgte für echte Gänsehaut und zeigte eindrucksvoll, wie besonders Festivals sein können.
Nachdem die technischen Schwierigkeiten behoben waren, ging die Party nahtlos weiter. Die Menge sprang, tanzte und sang, als wäre nichts gewesen.
Deutliche Worte von The Narrator
Auch musikalisch härtere Töne kamen beim Free For All nicht zu kurz. The Narrator lieferten nicht nur eine energiegeladene Show ab, sondern setzten auch ein wichtiges Zeichen.
Mit klaren Worten machte die Band deutlich, dass das Festival ein Ort der Toleranz und Offenheit sei. Ihre Ansage, dass diejenigen, denen dies „zu politisch“ sei, bei ihnen an der falschen Adresse wären, wurde von vielen Zuschauern lautstark unterstützt und unterstrich den familiären und respektvollen Charakter des Festivals.
Enemy Inside liefern Festivalromantik
Einen der atmosphärisch schönsten Momente des Tages schufen Enemy Inside. Während die Temperaturen langsam angenehmer wurden, begann die Sonne hinter den Bäumen zu verschwinden.
Fast schon mystisch wirkte die Szenerie als die goldenen Sonnenstrahlen durch den von den Moshpits aufgewirbelten Staub fielen. Zusammen mit der eindrucksvollen Performance der Band entstand eine ganz besondere Festivalstimmung.
Dead by April sorgen für emotionale Momente
Emotional wurde es anschließend mit Dead by April. Die schwedische Formation konnte sich auf ein äußerst textsicheres Publikum verlassen. Sichtlich beeindruckt wurde von der Band die Leidenschaft der ersten Reihen kommentiert welche lautstark jede Zeile mitsang. Für einen besonders unterhaltsamen Moment sorgte die Band während „Dreamlike“. Mit einem Schmunzeln bemerkte der Sänger:„This is the slowest song we have and you still manage to open a circle pit.“
From Fall To Spring begeistern mit ihrer Energie
Auch From Fall to Spring hinterließen einen starken Eindruck. Die saarländische Band, angeführt von den Zwillingsbrüdern Philip und Lukas Wilhelm, präsentierte eine energiegeladene Show und bewies erneut, warum sie zu den spannendsten modernen Acts der deutschen Szene zählen.
Mit ihrer Mischung aus modernen Metalcore-Elementen, eingängigen Melodien und einer starken Bühnenpräsenz gelang es ihnen mühelos, die Zuschauer mitzureißen.
Swiss und die Andern liefern den perfekten Abschluss
Den offiziellen Schlusspunkt des Festivals setzten Swiss und die Andern und bereits bei den ersten Songs war klar, dass die Besucher noch längst nicht genug hatten.
Schon früh wurden die ersten Crowdsurfer über die Menge getragen, während vor der Bühne ausgelassen gefeiert wurde. Die Hamburger Punkrocker lieferten den perfekten Soundtrack für einen letzten gemeinsamen Festivalabend und verabschiedeten das Publikum mit einer Mischung aus Energie und Gemeinschaftsgefühl.
Fazit
Das Free For All Festival 2026 überzeugte auf ganzer Linie. Ein hochkarätiges und abwechslungsreiches Line-up traf auf eine familiäre Atmosphäre und eine hervorragend organisierte Veranstaltung. Besonders beeindruckend war die Leidenschaft des Publikums, das sich selbst von den hohen Temperaturen nicht ausbremsen ließ. Ob Moshpits in der Nachmittagssonne, emotionale Singalongs oder spontane Gänsehautmomente, das Festival bot alles, was ein gelungenes Wochenende ausmacht.
Hinzu kommt eine Organisation, die durch reibungslose Abläufe, engagierte Helfer und eine entspannte Atmosphäre maßgeblich zum Erfolg beitrug.
Dass bereits die ersten Bands für die nächste Ausgabe angekündigt wurden, dürfte viele Besucher freuen. Nach diesem Wochenende steht fest: Die Vorfreude auf das nächste Free For All hat bereits begonnen.
Text und Fotos: Leonie Steinmetz
