Virginmarys eröffnen vor überschaubarer Kulisse, bevor Lagwagon das ausverkaufte Zakk übernehmen
Manche Konzertbesuche beginnen nicht erst am Eingang der Spielstätte, sondern Jahrzehnte zuvor. Seit der Gründung von Lagwagon im Jahr 1989 begleitet mich die Band – entsprechend groß war meine Vorfreude auf ihren Auftritt am 30. Juli 2026 im Zakk in Düsseldorf. Nach so vielen Jahren verbindet man mit der Musik nicht nur einzelne Songs, sondern ganze Lebensabschnitte. Umso spannender war die Frage, wie die Band heute auf der Bühne wirken würde.
Den Auftakt des Abends übernahmen Virginmarys. Als die Supportband ihr Set begann, war der Saal allerdings noch vergleichsweise spärlich gefüllt. Viele Besucherinnen und Besucher hielten sich offenbar noch im Biergarten des Zakk auf und nutzten den sommerlichen Abend zunächst außerhalb der Halle.
Für Virginmarys war das keine ideale Ausgangslage. Dennoch ließ sich die Band von den freien Flächen im Publikum nicht irritieren und lieferte einen überzeugenden Auftritt ab. Die bereits Anwesenden nahmen den Support aufmerksam und positiv auf. Bei einem Song bildete sich vor der Bühne sogar ein kleiner Pogo – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Gruppe nicht nur beiläufig wahrgenommen wurde.
Virginmarys gelang es damit, dem Abend einen gelungenen Einstieg zu geben. Die Band spielte engagiert und gewann die Zuschauer, die sich bereits im Saal eingefunden hatten, nach und nach für sich. Trotzdem blieb während ihres Sets noch Luft zwischen den Menschen. Erst beim anschließenden Wechsel zum Headliner zeigte sich, wie voll es an diesem Abend tatsächlich werden sollte.
Als Lagwagon auf die Bühne kamen, änderte sich die Situation schlagartig. Der zuvor noch locker besetzte Saal war nun eng gefüllt; die Veranstaltung war vom Zakk als ausverkauft gemeldet worden. Vor allem in den ersten Reihen setzte sofort Bewegung ein. Dort wurde vom Beginn des Sets an beinahe durchgehend gepogt, während das Publikum weiter hinten dicht gedrängt dem Auftritt folgte.
Lagwagon benötigten keine lange Anlaufphase. Die Band wirkte präsent, konzentriert und sichtbar daran interessiert, diesen Abend nicht lediglich routiniert abzuspulen. Nach einer so langen Karriere wäre es leicht, sich auf Erfahrung und einen gefestigten Status zu verlassen. In Düsseldorf entstand jedoch nicht der Eindruck eines Konzerts nach festem Schema. Die Musiker spielten mit spürbarer Freude und fanden schnell einen direkten Zugang zum Publikum.
Eine vollständige Setlist des Abends liegt mir leider nicht vor. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir jedoch die älteren Stücke aus der Zeit des Albums „Hoss“. Sie gehörten für mich zu den stärksten Momenten des Auftritts.
Gerade diese Songs zeigten, warum Lagwagon über Jahrzehnte hinweg ein so treues Publikum an sich binden konnten. Die Verbindung aus Geschwindigkeit, melodischen Passagen und prägnantem Punkrock funktionierte im Zakk noch immer ohne nostalgischen Beigeschmack. Die Stücke wirkten nicht wie ein pflichtbewusster Blick zurück, sondern hatten weiterhin genügend Kraft und Eigenständigkeit, um sich auch im Jahr 2026 zu behaupten.
Für mich lag darin ein besonderer Reiz des Konzerts. Wer eine Band seit ihren frühen Jahren hört, begegnet älteren Songs zwangsläufig mit persönlichen Erinnerungen. Entscheidend ist jedoch, ob diese Musik auch auf der aktuellen Bühne noch trägt. Bei den Titeln aus der „Hoss“-Ära war das eindeutig der Fall. Sie klangen nicht wie konservierte Vergangenheit, sondern wie ein selbstverständlicher Bestandteil eines weiterhin lebendigen Repertoires.
Auch die Reaktionen im Publikum unterstrichen diesen Eindruck. Lagwagon trafen im Zakk offenbar auf Menschen verschiedener Generationen: auf langjährige Fans, die viele Stücke seit Jahrzehnten kennen, ebenso wie auf Besucher, die die Band möglicherweise erst später für sich entdeckt haben. Vor der Bühne spielte dieser Unterschied kaum eine Rolle. Dort wurde gemeinsam gefeiert, gesungen und gepogt.
Der Abend lebte dabei stark von seiner Entwicklung. Zu Beginn standen Virginmarys vor der schwierigen Aufgabe, gegen einen noch nicht vollständig gefüllten Saal anzuspielen. Sie lösten diese Aufgabe gut und sorgten bereits für erste Bewegung im Publikum. Mit dem Auftritt von Lagwagon verdichtete sich die Atmosphäre dann deutlich. Aus dem zunächst entspannten Beginn wurde ein intensiver Clubabend, bei dem besonders die vorderen Reihen kaum zur Ruhe kamen.
Dass Virginmarys zunächst vor weniger Menschen spielten, sollte ihre Leistung nicht schmälern. Die Band präsentierte sich als überzeugender Support und wurde von den Anwesenden verdientermaßen gut aufgenommen. Der deutliche Unterschied in der Zuschauerzahl erklärte sich weniger durch mangelndes Interesse als durch den Biergarten, in dem offenbar noch ein größerer Teil des späteren Publikums auf den Hauptact wartete.
Lagwagon erfüllten die hohen Erwartungen, die ich mit diesem Abend verbunden hatte. Die Band zeigte Spielfreude, das Publikum reagierte unmittelbar, und besonders die älteren Stücke aus der „Hoss“-Ära hinterließen einen starken Eindruck.
So entwickelte sich der Abend vom gelungenen Auftritt von Virginmarys zu einem intensiven Konzert in einem ausverkauften Zakk. Lagwagon bewiesen dabei, dass ihre Songs auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Wirkung verloren haben.
Text & Foto: Marc Junge (majun.photo)
