Rock Journal
Konzertberichte

The Black Keys – Wenn der Blues das Bein übernimmt

The Black Keys bringen am 6. September 2026 ihren schnörkellosen Bluesrock ins Kölner Palladium. Trotz eines angeschlagenen Dan Auerbach liefert die Band einen starken Auftritt mit hervorragendem Sound, mächtigen Gitarren und einer Bühnenshow, die den Rock ’n’ Roll auch optisch zelebriert. Und selbst wer nicht als ausgewiesener Fan gekommen ist, dürfte am Ende zumindest ein Problem gehabt haben: das Bein stillzuhalten.

Es gibt Konzerte, bei denen man schon vor dem ersten Ton ziemlich genau weiß, was einen erwartet. Und es gibt Abende, an denen man sich einer Band vergleichsweise unvoreingenommen nähert und erst vor Ort merkt, wie schnell einen deren Musik erwischen kann. Für mich gehörte der Auftritt von The Black Keys am 6. September 2026 im Kölner Palladium eindeutig zur zweiten Kategorie.

Ich war an diesem Abend in erster Linie als Fotograf vor Ort und kannte die Band zwar, ohne mich zuvor jedoch besonders intensiv mit ihr beschäftigt zu haben. Vielleicht war gerade das eine ziemlich gute Voraussetzung für diesen Abend: keine riesige Erwartungshaltung, keine persönliche Wunschliste mit Songs, die unbedingt gespielt werden mussten. Stattdessen konnte die Musik für sich sprechen.

Und das tat sie.

Robert Finley stimmt Köln auf den Abend ein

Bevor The Black Keys die Bühne übernehmen, gehört sie Robert Finley und seiner Band. Der Support kommt beim Publikum gut an und erfüllt damit weit mehr als die oftmals undankbare Aufgabe eines bloßen Aufwärmprogramms.

Überhaupt zeigt sich im Palladium ein bemerkenswert gemischtes Bild. Vor der Bühne stehen jüngere Besucher neben deutlich älteren Rockfans – von jung bis alt ist an diesem Abend praktisch alles vertreten. Das passt zu einer Band, deren Sound tief in Blues, Garage Rock und klassischem Rock ’n’ Roll verwurzelt ist und trotzdem nicht wie eine nostalgische Übung wirkt.

Als The Black Keys schließlich gegen 21:15 Uhr die Bühne betreten, schlägt die gespannte Erwartung unmittelbar in lautstarke Begeisterung um.

Mit „I Got Mine“ verschwenden Dan Auerbach und Patrick Carney keine Zeit. Der schwere Groove des Openers setzt sofort die Richtung für den Abend: Gitarren nach vorne, Schlagzeug mit ordentlich Druck darunter und möglichst wenig unnötiger Ballast.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass dieser Abend nicht von großen Gesten oder ausufernden Ansagen leben wird. Er lebt von Songs.

Rote Vorhänge, große Lettern und laute Gitarren

Optisch wird dieser Ansatz ausgesprochen wirkungsvoll verpackt.

Die Bühne besitzt den Charme einer überzeichneten klassischen Rock-’n’-Roll-Show: Im Hintergrund prangen riesige, mit zahlreichen Glühbirnen besetzte „THE BLACK KEYS“-Lettern. Darüber hängen schwere rote Vorhänge, die der Szenerie beinahe etwas Theaterhaftes geben. Große Scheinwerfer, Verstärker und Instrumente füllen die Bühne, ohne dass das Gesamtbild überladen wirkt.

Dazu kommt ein Lichtdesign, das gerade aus fotografischer Sicht hervorragend funktioniert.

Kräftiges Rot und warmes Orange tauchen die Musiker immer wieder in satte Farben, während blaue und weiße Lichtkegel starke Kontraste schaffen. Mal steht Auerbach nahezu vollständig in glühendem Rot, mal zeichnen kühlere Spots klare Konturen um die Musiker. Der Bühnennebel macht die Lichtstrahlen sichtbar und gibt der Szenerie zusätzliche Tiefe.

Für einen Fotografen sind das nahezu ideale Voraussetzungen: starke Farben, klar gesetzte Akzente und genügend Abwechslung, um die Musiker sowohl in der Totalen als auch aus unmittelbarer Nähe wirkungsvoll einzufangen.

Die Inszenierung passt dabei bemerkenswert gut zur Musik: ein bisschen Vintage, ein bisschen amerikanischer Rockclub in Übergröße und trotzdem keineswegs altmodisch.

Auch die Bühnenaufteilung unterstützt diesen direkten Rock-’n’-Roll-Ansatz. Patrick Carneys Drumkit steht weit vorne auf der linken Bühnenseite und ist damit ein ebenso präsenter Teil des Gesamtbildes wie Dan Auerbach mit seiner Gitarre. Statt das Schlagzeug wie bei vielen Produktionen weit nach hinten zu rücken, wird Carney optisch beinahe auf Augenhöhe mit dem Frontmann gesetzt.

Das ist nicht nur fotografisch interessant, sondern passt auch musikalisch. Schließlich ist das Zusammenspiel zwischen Auerbach und Carney der Kern von The Black Keys: Gitarre und Schlagzeug, Riff und Rhythmus. Auf dieser Bühne wird dieses Verhältnis auch räumlich sichtbar.

Ergänzt wird das Duo von weiteren Musikern, die dem Livesound zusätzliche Breite verleihen. Trotzdem bleibt Auerbach mit Sonnenbrille und Gitarre der zentrale Fixpunkt im vorderen Bühnenbereich.

Ein Set ohne lange Umwege

Nach „I Got Mine“ geht es mit „Fever“ weiter, bevor bereits an dritter Position mit „Gold on the Ceiling“ einer der großen Songs des Abends folgt. Gerade hier zeigt sich, wie wirkungsvoll die Gitarren im Palladium klingen. Auerbachs Spiel schneidet durch den Raum, ohne dass die übrigen Instrumente dahinter verschwinden.

Der Sound ist an diesem Abend überhaupt eine der großen Stärken.

Eine gitarrenlastige Produktion kann in einer großen Halle schnell zu einem massiven Klangblock werden, in dem Feinheiten verloren gehen. Bei The Black Keys bleibt das Klangbild dagegen erfreulich klar. Die Gitarren dürfen dreckig und schwer klingen, Carneys Schlagzeug besitzt den nötigen Druck, und trotzdem bleiben die einzelnen Bestandteile nachvollziehbar.

Dass Auerbach an diesem Abend etwas angeschlagen ist, lässt sich durchaus wahrnehmen. Bemerkenswert ist jedoch vor allem, wie professionell er damit umgeht. Statt daraus eine Geschichte zu machen, zieht er die Show konzentriert durch. Große Showman-Gesten braucht er ohnehin nicht.

Das passt zu seiner gesamten Bühnenpräsenz.

Auerbach gehört nicht zu den Frontmännern, die jede freie Sekunde zwischen zwei Songs mit Geschichten, Witzen oder Publikumsanimation füllen müssen. Vielmehr entstehen zwischen den Stücken immer wieder kleine Ruhephasen. Instrumente werden vorbereitet und gestimmt, kurz etwas getrunken, der nächste Song wird angegangen.

Diese Zurückhaltung wirkt keineswegs distanziert. Im Gegenteil: Sie unterstreicht den unprätentiösen Charakter der Show. The Black Keys sind an diesem Abend nicht hier, um eine große Personality-Show aufzuführen. Sie lassen ihr Repertoire sprechen.

Und davon haben sie reichlich.

Von „Howlin’ for You“ bis zu den Stooges

Mit „Have Love Will Travel“, dem Cover von Richard Berry & the Pharaohs, „Next Girl“, „Man on a Mission“ und „Just Couldn’t Tie Me Down“ arbeitet sich die Band durch unterschiedliche Facetten ihres Sounds. Anschließend folgen „Everlasting Light“ und das sofort wiedererkennbare „Howlin’ for You“.

Gerade diese Abfolge zeigt, weshalb The Black Keys live so gut funktionieren. Ihre Musik kann bluesig, rau und kantig sein, besitzt aber fast immer diesen körperlichen Rhythmus, gegen den man sich nur schwer wehren kann.

Oder anders gesagt: Das Bein wippt irgendwann einfach mit.

Das ist vielleicht die treffendste Beschreibung meines persönlichen Eindrucks dieses Konzerts. Man muss nicht jedes Album kennen und auch nicht bei jedem Songtitel sofort wissen, aus welcher Phase der Bandgeschichte er stammt. Die Musik funktioniert unmittelbar. Carneys Schlagzeug und Auerbachs Gitarrenarbeit erzeugen diesen stoischen Vorwärtsdrang, der selbst dann trägt, wenn man das Stück nicht auswendig kennt.

„Lo/Hi“ setzt diesen Kurs fort, bevor mit „Weight of Love“ ein Stück folgt, das innerhalb der Setlist etwas mehr Raum schafft. Danach zieht „Wild Child“ die Zügel wieder an.

Interessant ist außerdem die Auswahl der Coversongs. Neben „Have Love Will Travel“ wagt sich die Band mit „I Wanna Be Your Dog“ an The Stooges – eine Nummer, die sich mit ihrem rohen, hypnotischen Grundgerüst geradezu natürlich in die musikalische Welt von The Black Keys einfügt.

Mit „Where There’s Smoke, There’s Fire“ von Willie Griffin folgt noch ein weiterer Blick auf die Wurzeln, aus denen Auerbach und Carney schöpfen. Die Fremdkompositionen wirken dabei nicht wie eingeschobene Exkurse, sondern fügen sich schlüssig in den eigenen Sound ein.

Wenig Worte, klare Haltung

Bemerkenswert bleibt die Kommunikation zwischen Bühne und Publikum.

Auerbach hält sich mit Ansagen auffällig zurück. Zwischen den Stücken entsteht dadurch immer wieder diese kurze, beinahe konzentrierte Stille: Gitarren werden gestimmt, ein Schluck Wasser genommen, Schweiß abgewischt – und schon wartet das nächste Riff.

Erst relativ spät wendet sich Auerbach ausführlicher an die Menge, begrüßt das Publikum und bedankt sich für das Kommen. Gerade weil zuvor nicht permanent gesprochen wird, besitzt dieser kurze direkte Kontakt mehr Gewicht als die üblichen routinierten Ansagen vieler großer Shows.

Danach übernehmen wieder die Instrumente.

Mit „Tighten Up“ und „She’s Long Gone“ bewegt sich das Hauptset seinem Ende entgegen. Zu diesem Zeitpunkt sind rund anderthalb Stunden vergangen, in denen die Band erstaunlich konsequent ihre eigene Vorstellung eines Rockkonzerts verfolgt hat.

Keine übertriebene Dramaturgie. Keine unnötigen Effekte. Keine Versuche, aus jedem einzelnen Song ein Spektakel zu machen.

Dafür hervorragender Sound, ausgezeichnetes Licht und eine Band, die genau weiß, wie viel Druck ihre Songs benötigen.

Nach dem Ende des Hauptsets dauert es entsprechend nicht lange, bis die Forderungen nach einer Zugabe durch das Palladium gehen.

Erst die U-Boote, dann der einsame Junge

Nach einigen Minuten kehren The Black Keys zurück – und für den vorletzten Song wird die Dynamik zunächst bewusst heruntergefahren.

„Little Black Submarines“ beginnt zurückgenommen mit Auerbach an der Akustikgitarre. Nach all den verzerrten Gitarren und dem massiven Schlagzeug erhält dieser Moment dadurch eine besondere Wirkung. Doch natürlich bleibt es nicht bei der Ruhe. Das Stück baut sich auf, die Band steigt ein und aus dem reduzierten Beginn entwickelt sich noch einmal ein großer Rockmoment.

Danach bleibt eigentlich nur noch ein Song.

„Lonely Boy“.

Der Hit bildet den logischen Schlusspunkt des Abends. Noch einmal greift dieser unverwechselbare Rhythmus, noch einmal treibt Carney die Nummer voran, während Auerbach das Gitarrenriff liefert, das wahrscheinlich selbst diejenigen erkennen, die sich bislang kaum näher mit The Black Keys beschäftigt haben.

Die Zeile „I got a love that keeps me waiting“ bekommt dabei fast etwas Passendes für diesen Moment: Das Publikum hat auf genau diesen Song gewartet – und bekommt ihn zum Finale.

Spätestens jetzt zeigt sich auch, wie gut die Band das generationenübergreifende Publikum im Palladium erreicht hat. Aus dem zunächst sehr gemischten Saal ist längst eine ziemlich geschlossene Menge geworden.

Nach einem Konzert, das sich der Zwei-Stunden-Marke nähert, ist schließlich Schluss.

Fazit: Wenn das Bein einfach mitwippt

The Black Keys brauchen keine großen Gesten, um live zu überzeugen. Im Palladium reicht ihnen ein starkes Set aus Blues, Garage und Rock ’n’ Roll, gespielt von einer Band, die sehr genau weiß, worauf es bei diesen Songs ankommt.

Gerade weil ich The Black Keys zuvor nicht besonders intensiv verfolgt hatte und an diesem Abend vor allem als Fotograf vor Ort war, hat mich der Auftritt positiv überrascht. Die Musik funktionierte auch ohne große Vorkenntnisse erstaunlich unmittelbar.

Das vielleicht beste Zeichen dafür lieferte irgendwann das eigene Bein: Es wippte einfach mit.

Und ja – The Black Keys würde ich mir nach diesem Abend definitiv noch einmal live ansehen.

Text: Marc Junge (majun.photo)