Ein Jubiläum wie dieses feiert man nicht einfach nebenbei: Am 4. und 5. September wurde beim Pell-Mell Festival im kleinen Obererbach in Rheinland Pfalz das 20-jährige Bestehen gefeiert. Seit 2006 hat sich das Festival zu einem festen Treffpunkt für Fans von Punk, Rock, Hardcore und Metal entwickelt. Was dabei von Anfang an geblieben ist: die familiäre Atmosphäre. Auch zum Jubiläum wartete auf die Besucherinnen und Besucher ein hochkarätiges Line-up.
Auf zwei Bühnen, der Sparkasse-Bitburger Stage als Main Stage und der kleineren Moonshine Stage, ging es an beiden Tagen von Nachmittag bis tief in die Nacht. Durch die kurzen Wege war dabei auch zwischen den Acts kaum Zeit zum Durchatmen: War ein Auftritt auf der einen Bühne vorbei, wartete wenige Minuten später auf der anderen bereits die nächste Band.
Freitag: Metalcore, Regen und jede Menge Energie
Mit Palebloom nahm der Festivalfreitag auf der Main Stage Fahrt auf. Danach legten Never Back Down direkt nach und zeigten, warum die Band längst zu den festen Größen der deutschen Metalcore-Szene gehört. Spätestens bei „Sleepwalking“ war die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Der Song sorgte für Gänsehaut und wurde lautstark aufgenommen.
Bei sommerlichen Temperaturen von rund 26 Grad und strahlendem Sonnenschein füllte sich das Gelände zunehmend. Auch abseits der Bühnen gab es einiges zu entdecken: Zahlreiche Stände sorgten für Verpflegung zwischendurch, während im großen Merch-Bereich sowohl Festival- als auch Bandshirts über die Ladentheke gingen.
Das Publikum zeigte dabei genau das, was das Pell-Mell seit Jahren ausmacht: Es war bunt gemischt. Neben langjährigen Festivalbesuchern waren auch Familien und die ganz kleinen Gäste unterwegs, die gerade erst ihre ersten Schritte machten. Genau diese Mischung verlieh dem Wochenende seinen besonderen familiären Charakter.
Ein Highlight des Freitags waren Samurai Pizza Cats. Die Band weiß genau, wie sie ein Publikum für sich gewinnt. Energie, Humor und eine ordentliche Portion Chaos trafen hier aufeinander und genau diese Mischung kam beim Publikum bestens an.
Auf der Moonshine Stage ging es anschließend mit Venues weiter. Der Wechsel zwischen dem klaren Gesang von Frontfrau Lela Gruber und den Shouts von Dennis sorgte für ordentlich Druck und begeisterte die Menge. Die Band bewies einmal mehr, wie wirkungsvoll unterschiedliche Gesangsstile miteinander funktionieren können.
Während sich der Himmel im Laufe des Abends immer weiter zuzog, mussten sich die Festivalbesucher schließlich mit Regen arrangieren. Doch auch der einsetzende Schauer konnte die Stimmung nicht wirklich bremsen. Regencapes wurden übergezogen, Kapuzen hochgezogen und weiter ging es.
Auch The Narrator ließ sich von den Wetterbedingungen nicht beeindrucken. Die Essener Metalcore-Band brachte die Menge trotz des anhaltenden Regens zum Kochen. „Stasis“, der 2026 erschienene Song vom aktuellen Album Phosphor, wurde lautstark mitgesungen, während sich vor der Bühne zahlreiche Moshpits bildeten.
Den ersten Festivaltag beendeten schließlich Raised Fist auf der Main Stage. Die schwedische Hardcore-Band ließ sich vom Regen ebenfalls nicht beeindrucken und sorgte noch einmal für eine ordentliche Portion Energie, bevor der erste Tag langsam zu Ende ging.
Samstag: Von Partycore bis Metalcore
Der zweite Festivaltag startete mit der Punkrock-Band Kaff Panda. Mit ihrem Auftritt und ihren einfühlsamen Texten holten sie das Publikum bereits am frühen Nachmittag ab. Danach ging es mit Left Betrayed auf der Main Stage weiter, bevor Lost in Hollywood noch einmal ordentlich nachlegte.
Anschließend wurde es auf der Moonshine Stage besonders ausgelassen: STESY verwandelten das Gelände kurzerhand in eine Partyzone. Kein Wunder, dass ein Song wie die Metal-Version von „We Like to Party“ bestens funktionierte. Die Menge hüpfte, sang mit und tanzte, während die Energie der österreichischen Partycore-Band direkt auf das Publikum übersprang.
Mit Monsters of Liedermaching wurde es danach deutlich ruhiger und gleichzeitig nicht weniger unterhaltsam. Mit ihren Gitarren auf der Bühne und ihren humorvollen Texten sorgten sie für eine willkommene Verschnaufpause zwischen all den Moshpits. Das Publikum nahm den musikalischen Kontrast dankbar an und ließ sich immer wieder zum Schmunzeln bringen.
Doch lange sollte es nicht ruhig bleiben. Mit King Nugget Gang wurde anschließend wieder ordentlich Energie freigesetzt. Die Menge sang lautstark und textsicher mit, während sich zahlreiche Moshpits bildeten und Crowdsurfer über die Köpfe hinweggetragen wurden.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages folgte mit Caliban. Die bereits seit 1997 aktive deutsche Metalcore-Band gehört zu den prägenden Namen der Szene und zeigte auch in Obererbach, warum sie diesen Status über die Jahre behalten hat. Mit einer beeindruckenden Lichtshow und jeder Menge Druck rissen Caliban das Publikum mit und sorgten für einen weiteren Höhepunkt des Jubiläumswochenendes.
Hämatom: Ein emotionaler Abschluss
Als Headliner des zweiten Tages und damit auch als krönender Abschluss des Jubiläums stand schließlich Hämatom auf der Main Stage. Kurz vor Mitternacht wurde noch einmal alles aufgefahren, was zu einer Hämatom-Show gehört: Energie, Pyros, Interaktion mit dem Publikum und jede Menge Bewegung.
Bei „Scheiße kommt – Scheiße geht“ wurde Schlagzeuger Süd auf einem Podest über die Menge bis zum FOH und zurückgetragen. Ein Bild, das wohl nicht so schnell vergessen werden dürfte.
Emotional wurde es dagegen bei „Gott muss ein Arschloch sein“. Der Song ist dem 2023 verstorbenen Bassisten Peter „West“ Haag gewidmet und wurde auch in Obererbach zu einem besonders bewegenden Moment.
Doch Hämatom beherrschten nicht nur die leisen Töne. Bei „Wir haben Dorf“ verwandelte sich der Platz erneut in ein Meer aus Bewegung. Zahlreiche Circle Pits bildeten sich vor der Bühne und selbst wir Fotografen blieben davon nicht ganz verschont. Im Fotograben entstand kurzerhand unser ganz eigener kleiner Circle Pit.
Ein Jubiläum zum Abschied
Das 20-jährige Pell Mell Jubiläum hatte damit alles, was man sich von einem Festivalwochenende wünschen kann: ein abwechslungsreiches und hochkarätiges Line-up, jede Menge Energie vor den Bühnen, Regen am Freitag, sommerliche Temperaturen am Wochenende und vor allem eine Atmosphäre, die trotz der großen Namen angenehm familiär blieb.
Gerade diese Mischung macht das Pell-Mell so besonders. Hier trifft man langjährige Festivalbesucher genauso wie Familien mit kleinen Kindern, während auf den Bühnen Bands aus Punk, Hardcore, Metalcore und Rock für zwei Tage Vollgas geben.
Und trotzdem war dieses Jubiläum auch ein Abschied auf Zeit: 2027 wird das Pell-Mell Festival pausieren. Umso besonderer war es, gemeinsam 20 Jahre Festivalgeschichte zu feiern. Eines steht deshalb schon jetzt fest: Dieses Jubiläumswochenende wird so schnell niemand vergessen.
Text & Fotos: Leonie Steinmetz
