Die finnische Rockband Poets of the Fall machten am Dienstagabend im Rahmen ihrer „Echoes of the Carnival“ Tour Halt in der Hamburger Fabrik. Anlass der Tour ist ein ganz besonderes Jubiläum: 20 Jahre Carnival of Rust, jenes Album, das die Bandgeschichte entscheidend mitprägte. Doch bevor es in die musikalische Vergangenheit ging, sorgte zunächst der Support für die passende Einstimmung.
Den Auftakt des Abends übernahmen Rabbit Cult. Die Band mit ihren hasenartigen Outfits brachte das Publikum auf Betriebstemperatur, bevor nach einer kurzen Umbaupause schließlich die sechs Musiker von Poets of the Fall die Bühne betraten.
Schon nach den ersten Songs wurde deutlich, dass hier eine Band mit reichlich Bühnenerfahrung am Werk ist. Seit ihrer Gründung 2003 haben Poets of the Fall ihren ganz eigenen Sound entwickelt, der Rock mit Elementen aus Pop, Metal und Industrial verbindet.
Im Mittelpunkt stand Sänger Marko Saaresto, der das Publikum mit Leichtigkeit in seinen Bann zog. Immer wieder suchte er die Nähe zu den Zuschauern und trat bis an die vorderste Reihe des Fotograbens heran. Die Grenze zwischen Bühne und Publikum schien dabei immer wieder ein wenig zu verschwimmen.
Passend dazu bot auch die Fabrik selbst eine besondere Kulisse. Unter der hölzernen Decke und entlang des Emporengangs verfolgten die Besucher das Geschehen nicht nur von unten, sondern auch aus erhöhter Perspektive. Überall waren erhobene Hände zu sehen, die sich im Takt der Musik durch den Raum bewegten. Das Publikum zeigte sich textsicher und sang viele der Songs begeistert mit.
Neben älteren Klassikern durfte natürlich auch ein Blick auf die Gegenwart der Band nicht fehlen. Mit „Black Waters“ präsentierten Poets of the Fall ihre aktuelle Single, die für das 20-jährige Jubiläum von Carnival of Rust eine ganz besondere Geschichte mitbringt: Der Song entstand ursprünglich bereits während der Aufnahmen zum Album im Jahr 2006 und wurde erst 2026 fertiggestellt.
So verband der Abend Vergangenheit und Gegenwart miteinander, ohne dabei wie eine reine Nostalgieveranstaltung zu wirken. Die Songs aus der langen Bandgeschichte trafen auf neues Material und wurden von einer Band präsentiert, die auch nach mehr als zwei Jahrzehnten noch sichtbar Freude daran hat, auf der Bühne zu stehen.
Für den großen Abschluss durfte schließlich natürlich der Titelsong „Carnival of Rust“ nicht fehlen. Als die ersten Töne erklangen, war die Reaktion des Publikums unmittelbar: Noch einmal wurden die Stimmen im Saal laut, Hände gingen nach oben und die Fabrik wurde zum gemeinsamen Chor.
Als die letzten Töne verklungen waren, blieben vor allem viele strahlende Gesichter zurück. Der Jubiläumsabend in Hamburg zeigte damit eindrucksvoll, dass ein Album auch 20 Jahre später noch Menschen zusammenbringen kann und das Poets of the Fall ihre Mischung aus Atmosphäre, großen Melodien und charismatischer Bühnenpräsenz keineswegs verloren haben.
Fotos & Text: Leonie Steinmetz
